Mach mit…

Im Kindergarten wird derzeit groß ums Mitmachen geworben. Da wird nämlich der Spielplatz neu gemacht, nachdem die alte Ritterburg nach und nach zur Burgruine wurde und am Schluss nur noch die Fliegengewichtkinder absturzsicher darauf herumklettern durften.

Ganz toll soll die neue Ritterburg werden. Und wenn man den bisherigen Baufortschritten Glauben schenken möchte, baut man da mehr als nur eine Kletteroase. Da wird ein ganzer Marktflecken draus…

Nun haben Kindergärten ja nie viel Geld. Auch die nicht, von denen man es, der übergeordneten Institution wegen, eigentlich annehmen sollte. Deshalb kassiert man nun fröhlich jeden Morgen und Nachmittag herumstreunende Eltern ein und zwingt sie, zur Mitarbeit einen Hammer in die Hand zu nehmen. Oder eine Schleifmaschine. Das alles selbstverständlich unter den wachsamen Augen eines diplomierten Burgenbauers, damit sich am Ende keiner wichtige Körperteile amputiert.

Ich für meinen Teil bin mit einem noch nicht lauffähigen Kleinstkind bisher immer gut weggekommen. Mit den neuerdings sinkenden Temperaturen werden jedoch die Freiwilligen knapp. Auch wurden letztens Eltern gesichtet, die ihre Kinder am Morgen aus sicherer Entfernung einfach über den Zaun warfen, um ja nicht zur Arbeit eingeteilt zu werden. So greift man nun also auch auf Schwangere und Stillende zurück.

Dass ich einer geregelten Arbeit nachgehe und deshalb für Holzarbeiten am Vormittag ungeeignet bin, wird zunächst belächelt. Kann ja jeder sagen. Man nimmt mich schon mal vorsichtshalber am Arm, falls ich einen Fluchtversuch unternehmen will. Bei so einem winzigen Kind bin ich doch garantiert in Elternzeit und habe damit den ganzen lieben langen Tag frei. Damit ich nun also nicht herumsitze und am Ende noch Fernsehen schaue, kann ich doch… um das Baby da kümmert man sich schon, keine Sorge…

In einem unbeaufsichtigten Moment simse ich Herrn Müller um Hilfe an. Der lässt nur Augenblicke später mein Handy Spiel mir das Lied vom Tod dudeln und mich bedeutungsschwanger: „Oh Gott, mein Chef!“ sagen. Das folgende Gespräch wird kurz. Aber laut. Das kann Herr Müller.

Und schon bin ich vom Arbeitseinsatz  befreit.

Ja, natürlich arbeite ich wirklich. Aber finden Sie mal jemanden, der einem das glaubt. Da muss man eben manchmal zu unlauteren Mitteln greifen.

Danke, Herr Müller.

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8 Kommentare zu “Mach mit…

  1. Der Emil sagt:

    Daß die Darstellung vielleicht ein wenig übertrieben ist, ist ja wirklich angenehm für mich als Leser und läßt mich schmunzeln. Aber daß jetzt nicht nur ALG-II-Empfänger, sondern auch berufstätige Eltern der Bundespolitik merkelscher Prägung gewerbsmäßigen Lüge a.k.a. Wahrheitsanpassung generalverdächtig sind, das ist schon ein starkes Stück!

  2. DerMattes sagt:

    Als geneigter Leser frage ich mich natürlich, ob Werkzeug, gar elektrisches, und ‚diplomiert‘ gut zusammenpassen.
    Für gewöhnlich nicht.
    Anwesende natürlich ausgenommen! Und wo bekomme ich jetzt Narzissen her?

  3. Oh das kenn ich. Ich seil mein Kind immer mit dem Heli ab. Aber man konterte mit einer Cessna und hat mich für das Abreißen einer baufälligen Kletterburg rekrutiert. Dabei wurden wir fotografiert und am Tag danach werbewirksam mit Lob an der Eingangstüre ausgestellt. Helden der Arbeit mit Fleißbienchen. :-)))

    Für das Aufbauen eines neuen brauch ich noch ne Ausrede. Die Sache mit dem Anruf ist eine feine Idee.

    @ Der Emil: Was da hinten bei Ihnen so kratzt, ist der Stock. Rausnehmen hilft.

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