Hello Hose…

Haben Sie schon mal mit einer Vierjährigen Hosen gekauft?

Bereits vor dem Laden beschließe ich, das gleich folgende Szenario mit meinem Kind durchzusprechen: Wir gehen rein, entern die Hosenabteilung, kaufen eine oder zwei, gehen wieder raus. Wir lassen die unsinnigerweise letztes Quartal eingeführte Spielzeugecke aus, ignorieren die kullerköpfigen Katzen auf pinken Shirts und wollen auch nichts mit den unendlichen Weiten von Glitzerketten und Murmelarmbändern zu tun haben. Wir würdigen nicht einmal den Haarschmuck eines Blickes. Wir wollen nur Hosen kaufen. So weit, so simpel.

Aber nix da. Kaum betreten wir den Laden, krallt sich das Kind in der Hello Kitty-Abteilung fest. Hosen! erinnere ich, aber dieses Wort befindet sich bereits nicht mehr im aktiven Wortschatz des Nachwuchses. Stattdessen werde ich wegen eines Pullis beschwatzt, bis Tränen fließen. Rabenmuttergleich lasse ich das Kind stehen und wage mich allein in die Hosenabteilung. Meine Tochter umkreist währenddessen die bunten Shirts und gibt sich größte Mühe, dabei wie ein armes Waisenkind auszusehen. Eine Dame mittleren Alters schaut sich bereits suchend nach mir um und bedeutet mir, dass das Kind dringend meiner Zuwendung bedarf. Und eines neuen Pullis! Ich sondere noch einmal den Satz mit den Hosen ab und schaffe es endlich, dass der Nachwuchs meine Verfolgung aufnimmt. Auf dem Weg zu mir sammelt er dabei wahllos Klamotten ein und präsentiert mir den Berg mit den Worten: „Brauchen wir alles.“ Ich bin nicht ganz derselben Meinung und lenke mein Kind geschickt mit einer besonders kitschigen Hose ab. Eigentlich habe ich kein Mädchenmädchen – eigentlich interessiert sich mein Kind mehrheitlich für Jungskram und Spiderman. Aber in der Bekleidungsabteilung schlagen dann doch die pinken Gene durch. Zur Wahrung des unsicheren Friedens willige ich bei einer besonders schlimmen Hose ein, die durch ein unzusammenhängendes Sammelsurium an Blumen, Schmetterlingen und Elfen besticht. „Oh, es ist schon wieder Fasching!“ necke ich, aber dem Kind sind die feinen Nuancen der Ironie noch fremd. „Ich will als Pirat gehen!“ kräht es prompt.

Ein paar Diskussionsrunden später habe ich es tatsächlich geschafft, neben der Faschingshose auch noch zwei Jeans zu erstehen. Zum Glück muss das Kind mittlerweile aufs Klo, so dass es von allein einsieht, dass ein Abstecher in die Glitzerabteilung mit Schmuck und Co. eher brenzlig werden könnte. Die Chancen stehen also gut, dass man den Laden verlassen kann, ohne ein heulendes Kind an den Beinen hinter sich herzuschleifen.

Wir erreichen denn auch endlich die Kasse. Und wissen Sie, was das Schlimmste ist? Die Verkäuferin schaut das Kind und sagt allen Ernstes: „Du bist aber ein braves Mädchen!“ Dann kriegt die Brut was geschenkt. Und ich gehe natürlich leer aus, obwohl eigentlich ich die Brave von uns beiden war.

Zum Schluss verrät man mir noch eine unglaubliche Theorie, warum die Kinder plötzlich alle neue Hosen brauchen: Der August war nämlich sehr heiß, deshalb sind die lieben Kleinen alle so schnell gewachsen.

Jetzt aber bloß nach Hause…

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19 Kommentare zu “Hello Hose…

  1. asuka44 sagt:

    Ich weiß schon, warum meine Kinder immer eine Tüte präsentiert bekommen mit den Worten: „Guck mal, ich hab Dir was mitgebracht!“ :p

  2. Sabine sagt:

    sehr brilliant!!! DAS kenne ich!

  3. Christel sagt:

    Hosenbeininnenlänge ausmessen und alleine zum Einkaufen gehen! Die einzige Methode, seinen Geschmack bis ins Schulalter durchzusetzen … Glauben Sie mir, das ist pädagogisch wertvoll, von wegen „Geschmacksbildung im Kindergartenalter“ und nervenschonend obendrein 🙂

    Christel

  4. ullli23 sagt:

    Schlechte Sommer = Kleine Kinder? Klingt… plausibel.

  5. Ich könnte an dieser Stelle ja sagen, dass dies jeder Mann kennt, der schon einmal mit seiner Freundin/Verlobten/Frau einkaufen, nein, shoppen war. Aber ich sage das nicht, weil ich weiß, dass dies total deplatziert wäre und mir sowieso nur Ärger einbringen würde.

  6. Manu sagt:

    Aaahh… so ein Kind ist also wie eine Pflanze. Sie wachsen in der Sonne. Wieder was gelernt. 😉

    LG

    P.S. Ich danke dem Herrgott, dass meine Tochter sich in dem Alter nie für Klamotten und Glitzerkram interessiert hat. Und „Hello Kitty“ gabs nicht in diesem Ausmaß wie heute.

    • Frau Müller sagt:

      Gelle, hamse nicht gewusst… deshalb sind im Winter geborene Kinder auch immer so mickrig, während Sommerkinder… Doch, doch, das hat schon die Omageneration gewusst. 😉

  7. Inch sagt:

    Unverschämtheit! Von der Verkäuferin, das!
    Ach ja, das Kind. Vier ist es? Dann dauerts nur noch 10 Jahre. Meinen habe ich beiden von ihrem 14. Geburtstag an einfach Geld in die Hand gedückt und sie losgeschickt. Auftrag zB: Hose. Eine für das gesamte Geld, oder eine Hose etwas billiger und für den Rest, was sie sonst noch gern hätten. Sie glauben nicht, Frau Müller, wie fantastisch das funktioniert. Beide kamen immer fast komplett neu eingekleidet nach Hause (also ohne Wintermantel im Fall des Hosenkaufs). Und auf den erzieherischen Effekt durfte ich auch stolz sein. Markenklamotte? Püh, wenn man statt einer Marke viele schöne Dinge haben kann?

  8. Juliane sagt:

    …und aus diesem Grund hat der liebe Gott das Internetshopping erfunden…

    Mir sind solche Szenarien glücklicherweise fremd, weil ich immer ohne Kind einkaufen war.
    Und wenn ich mal was zu groß gekauft hatte (zu klein kam nie vor), nicht schlimm – da isser dann reingewachsen.

    • Frau Müller sagt:

      Sie kaufen auch immer zu groß. Dann bin ich beruhigt… „Dann krempel halt um, Kind! Früher wären wir froh gewesen über so eine tolle Hose! Da haste noch Jaaaaahre was von!“

  9. Silberdistel sagt:

    Mein Gott, hatten wir Ossis das damals noch gut. Wo nichts glitzerte, konnte man auch nicht hängenbleiben 😉 Naja, gut, manchmal bekam man allerdings auch keine Hose – von dreien ganz zu schweigen. Die Nerven der Mutter reagierten auf andere Dinge allergisch.
    Also doch irgendwie wie heute – nur anders 😉

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