Zufälliger Zufall…

Das Universum kennt ein unumstößliches Gesetz: Wenn auch nur die geringste Möglichkeit besteht, dass etwas passieren könnte, dann wird es auch passieren.

Wir sind am Sonntag Nachmittag in der weiteren Umgebung unterwegs. Weil das Wetter passt, haben wir spontan einen Ausflug gewagt. Normalerweise planen wir so etwas generalstabsmäßig vor. An diesem Sonntag ausnahmsweise nicht…  Das führt dazu, dass wir  sechs Dörfer weiter in einem kleinen Park aufschlagen, ein wenig herumspazieren und dann beschließen, ein noch geöffnetes Café zu entern.

Eine um sechs Ecken angeheiratete Verwandte von Herrn Müller wohnt übrigens in besagtem Dorf. Ein Kaff weiter ist weitere Verwandtschaft verstreut. Im Scherz sage ich noch: „Lass uns die doch mal anrufen. Vielleicht können wir uns auf einen Kaffee treffen.“ Wir rufen nicht an, wir treffen uns nicht. Und damit nimmt das Unheil seinen Lauf.

Vor dem Café erspähen wir nämlich oben erwähnte Verwandte, die ihr sonntägliches Damenkränzchen gerade verlassen hat und sich anschickt, ihren Rollator gen Heimat zu schieben. Wir stellen uns der alten Dame in den Weg, schütteln Hände, zeigen Kinder vor und Fragen nach dem werten Befinden, woraufhin Oma einen geriatrischen Auswahlkatalog an Wehwehs offenlegt, der seinesgleichen sucht. Dann winken wir uns zu und gehen in entgegengesetzte Richtungen davon. In dem Moment können wir noch über den lustigen Zufall scherzen, die Oma getroffen zu haben und bestellen im Café Kuchen und „Milchers.“

Keine zehn Minuten später nähert sich der Besitzer des Cafés unserem Tisch. Wir sollen doch mal ans Telefon kommen, sagt er. Da wäre ein Anruf für uns. Von wem, wisse er nicht. In Hollywood folgen auf so eine Szene üblicherweise die Übergabe eines Koffers, ein wilder Schusswechsel mit wahlweise russischen Geheimagenten oder einem Einsatzkommando der Polizei und eine Flucht quer durch Europa. Im wahren Leben trottet Herr Müller dem Mann hinterher und nimmt das Gespräch entgegen. Ein paar Augenblicke später kommt er mit langem Gesicht zurück…

Trotz ihrer Versicherung, nicht mehr so gut zu Fuß zu sein, hat es die Oma nämlich geschafft, wie ein Gepard nach Hause zu eilen, zum Telefon zu greifen und herumzuerzählen, dass sie uns gleich um die Ecke getroffen hat. Die derart ins Bild gesetzte Verwandtschaft hat nun nichts Besseres zu tun, als ihrerseits zum Hörer zu greifen und die Nummer des Cafés zu wählen, in das wir verschwunden sind.

Was dann folgt ist Gemaule darüber, dass wir nie anrufen, nie vorbeikommen und überhaupt immer unsichtbar sind. Und enterbt sind wir wahrscheinlich auch. Das konnte Herr Müller auf die Schnelle nicht eruieren. Aber der Cafébesitzer fand´s lustig. Immerhin.

Um die Sache wieder ein bisschen geradezurücken, sind nun nächste Woche alle bei uns zum Kaffee eingeladen…

Und ich sag noch: Ruf die Leute an… aber NEIN…

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9 Kommentare zu “Zufälliger Zufall…

  1. Flohnmobil sagt:

    Es geht halt nichts über übereifrge Verwandtschaft.
    Ich wünsch jetzt schon viel Spass am nächsten Wochenende. „Familienschlauch“ nennt sich sowas bei uns.

  2. Frau Müller? Ich schiebe seit etwa zwei Monaten das „Ich-sage-meiner-Mutter-dass-ich-Weihnachten-nicht-bei-ihr-verbringe“-Telefonat vor mir her und rechne mit ähnlichen Folgen (enterben usw.) Helfen Sie mir….

    • holldrio sagt:

      Sagen Sie ihr:
      Mutti, enterb mich! Aber ich will nich….
      Glauben Sie mir, Mutti wird Sie nach dem erstem Schock nicht enterben und das Gespräch mit Ihnen suchen.
      Nach Ihren Problemen fragen und Sorgen und Ängsten…
      Das beste ist einfach kurzfristig zu verreisen (gestern gewonnen beim Bingo oder so).
      Das zieht. 🙂

      • blaubeerpfannkuchen sagt:

        Hab ich schon Ostern gemacht, mit dem verreisen. „Wir sind nicht da.“ Aber gut, ich werd da wohl durchmüssen. Nach meinen Problemen, Sorgen und Ängsten?!?! Na Sie machen mir Spaß…..danach hat sie die letzten 30 Jahre nicht gefragt….

        • Frau Müller sagt:

          Nein nein, ganz falsch. Sie behaupten einfach kurz vor dem Termin, Sie hätten mindestens seit Wochen versucht, bei den Eltern anzurufen, aber es sei NIE jemand ans Telefon gegangen. Und dann haben Sie die Einladung von den anderen Leuten da angenommen, weil man die eigenen Eltern ja absolut nie telefonisch erreicht.
          Unsere Eltern machen das ständig so, da geht das in die umgekehrte Richtung sicherlich auch. 😉

  3. Holldrio sagt:

    Ich kenne sowas!
    Da wünscht man sich die von Ihnen geschilderte Hollywood Szene zur Realität, gell?

  4. Inch sagt:

    Sch***e, kann ich da nur sagen

  5. Christian sagt:

    [Zitat] „Das Universum kennt ein unumstößliches Gesetz: Wenn auch nur die geringste Möglichkeit besteht, dass etwas passieren könnte, dann wird es auch passieren.“ [Zitat Ende]

    Kenn ich…. geht mir auch dauernd so. Marmeladenbrote, die todsicher mit der bunten Seite zuerst aufschlagen und Schrauben, die in der einzigen verfügbaren Öffnung verschwinden, usw.

    Aber erst seit ich in jungen Jahren ‚http://de.wikipedia.org/wiki/Murphys_Gesetz‘ gelesen habe.

    Vorher wusste ich von solchen Dingen nichts, also ist auch nichts passiert. Das Universum ist schon komisch.

    Christian (der grad versucht, die Marmelade vom Tisch zu wischen)

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