Alles falsch…

Heute kommt ein Päckchen mit der Arbeit eines Doktoranden. Wir sollen korrekturlesen. Das ist unser täglich Brot, weshalb ich mich sofort ans Werk mache. Zur Klärung einiger Fragen muss ich den angehenden Dr. phil. dann aber doch noch mal anrufen.

Wie immer, wenn man Gespräche mit klugen Köpfen führt, noch dazu mit schreibenden klugen Köpfen, komme ich gratis in den Genuss eines ausschweifenden Vortrags über die Unbill des Wissenschaftlerlebens. Eingestreut werden Anekdoten über den Geruch alter Bücher, Apfelgriebsche in Laptop-Taschen und die lebenserhaltende Wirkung von Dosenravioli auf mittellose WG-Bewohner. Nun bin ich kein angehender Dr. phil., aber da kann ich auch als schnöde M.A. mitplappern.

Am Ende des Gesprächs kommen wir wieder auf die Doktorarbeit an sich zu sprechen. Ja, es ist alles angekommen und soweit in Ordnung. Ja, der Abgabetermin wird eingehalten. Doch, das können wir versprechen. Wenn sich in weiten Teilen der Arbeit nichts mehr ändert, geht das für mich in Ordnung.

Hier stockt der angehende Titelträger. Wie ich das meinen würde, will er wissen.
„Wenn Sie die Arbeit nicht noch mal umschreiben, können wir den Abgabetermin einhalten.“
„Warum denn umschreiben, stimmt was mit dem Inhalt nicht?“
„Nein, mit der Arbeit ist alles bestens.“
„Haben Sie Fehler gefunden?“
Ich kläre darüber auf, dass ich nicht befugt bin, darüber Auskunft zu geben. Das ist als Scherz gedacht, aber der geht nach hinten los. Merke: Keine Witze für nervöse Titelanwärter.
„Wo denn?“ will er wissen und ich sehe ihn gedanklich seine Arbeit durchblättern. „Stimmt was mit der Argumentation nicht?“
Hmpf… 

Merke für die Zukunft: Sätze vorher genau einstudieren, wenn man mit nervösen Doktoranden spricht. Keinesfalls vom eigentlichen Thema abweichen. Und um Gottes Willen: Keine Witze machen!

Einen habe ich aber noch: Meinte doch letztens ein Kunde im Gespräch über seinen Text: „Aber nicht lesen!“ Ne, machen wir grundsätzlich nicht…

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Ein Kommentar zu “Alles falsch…

  1. mama007 sagt:

    Das Gleiche gilt für: Stipendienanträge, Artikel in Vorbereitung sowie Hausarbeiten, wenn diese von Personen geschrieben werden, die unter akuter Prokrastination leiden.
    Und ja, auch ich bräuchte da mal ein Memo an mich selbst….

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