Forst im BH…

Isses wieder soweit… Oktoberfest ante portas. Mich treffen Sie auf diesem Großereignis zwar nicht an. Aber wie immer, wenn das Trachtengetümmel losgeht, hat Frau Müller ausgerechnet in München Geschäftliches zu erledigen. Trifft sich das nicht gut?

„Kommen Sie am Besten im Dirndl!“ rät man mir. Ich bin kurz irritiert, aber das legt sich rasch:
„Weil, wir kommen auch in Tracht. Es ist ja wieder soweit.“
Ach so. Na dann.

Nun bin ich zwar keine Eingeborene und daher theoretisch vom Tragen bayuwarischen Trachtengedöns ausgenommen. Allerdings scheint die Langzeitehe mit einem Einheimischen eine Art Eintrittskarte fürs G´wandl-Stadl zu sein. Denn neuerdings darf auch ich dirndln, ohne von der Meute wegen Blasphemie vor dem Stadttor ausgesetzt zu werden. Offensichtlich nimmt man an, mein Ehegatte habe mich in all den Jahren hinreichend eingebayert (die eigentlich korrekte Version eingenordet kann ich in diesem Zusammenhang schlecht verwenden, weil Süden, wenn Sie verstehen). Das hat zur Folge, dass ich mittlerweile 2 Dirndl im Schrank habe.

(Sollte meine Schwiegermutter übrigens anfragen, ob ich nicht endlich eine Tracht erstehen will, antworte ich übrigens stets extremst pikiert mit: „Oh Gott, nein!“ Offiziell besitze ich kein Dirndl, merken Sie sich das bei der Konversation mit Außenstehenden. Das aber nur am Rande.)

Ich besitze also genau zwei Stück. Ein langes Schwarzes, in dem man mir gern versehentlich „Bedienung! Noch ´n Weißbier!“ hinterherruft und ein kurzes ebenfalls Schwarzes (mit Rot drin, um nicht total gruftig daherzukommen). Anlässe zum Tragen sind indes rar gesäht. Oktoberfest: Nix für Frau Müller, wegen Panik in Menschenmassen. Dult, Plärrer, Kerwa – kurz Volksfeste – da gehe ich gern in Zivil, obwohl hier in der ländlichen Gegend zu solchen Anlässen gedirndlt werden darf.

Bleiben also nur noch seltene Einladungen zu Veranstaltungen, wie eingangs bereits angesprochen. Unsere Veranstaltung hat einen Dresscode. Einen unfairen Dresscode, nebenbei gesagt. Denn die Herren dürfen im schwarzen Anzug kommen. Die Damen haben im Dirndl zu erscheinen. Im schwarzen Dirndl. Ob klein schwarz oder lang schwarz ist uns selbst überlassen.

Ich werde nun also schauen müssen, ob ich schon wieder in mein Gewand hineinpasse und wie sich ein Mutterbusen so im Dirndl ausnimmt. Vielleicht formt sich ja endlich einmal dieses Holz vor der Hütten, von dem man immer raunen hört…

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6 Kommentare zu “Forst im BH…

  1. Ich empfehle Umzug in die Wüste, da erstens entkommt man so der Frau Schwiegermutti und zweitens gibt es hier derartig viele Anlässe sich im G’wandl zu zeigen, da wird jeder Ur-Bayer narrisch…äh…neidisch….bei jeder Gelegenheit wird man hier aufgefordert, sich im „national dress“ zu präsentieren….

    • Frau Müller sagt:

      Genau: Deutsch = Lederhose. 😉
      Ein bisschen Bratwurst dazu?

      • Und da fangen die Probleme an! Hin und wieder gibt es ne echte Schweinsbratwurst, aber da ist man sich als guter Ruhrpottler nicht zu schade, ein Dirndl anzuziehen und dann? dann wird einem ne chicken- oder noch schlimmer eine beef-bratwurst vorgesetzt. Geschmacklos!

    • Wolfram sagt:

      National Dress? Bayern sind nicht deutscher als Marokkaner arabisch! 😯
      (Ich hab auch seit bestimmt 25 Jahren keinen französischen Opa mehr gesehen im großkarierten Hemd zu schwarzer Hose und schwarzer Baskenmütze und mit Zigarette auf dem letzten Zahn, Baguette unter einem Arm und „gros Rouge“ unterm anderen – nicht mal ohne Boule-Kugel in der Hand!) Nee, diese Klischees immer!

  2. Nina sagt:

    Ach Herrje. Was könnte denn theoretisch die gemeine Norddeutsche als „national dress“ einsetzen? So Fellschurz und Keule trägt ja nun leider etwas auf, gestreiftes Fischerhemd mit Prinz Heinrich Mütze – für die Dame? Hmmm. Dirndl? Käme mir nicht über den nicht vorhandenen Bu.sen. Muss ich wirklich mal drüber nachdenken. Nur so für den Fall der Fälle.

  3. frau k. sagt:

    ja. willkommen denn mal in meiner welt. gerade ging die firmen-einladung rum und ich muss jetzt die kommenden tage die „ich komme nie mit, auch nicht dieses jahr“-dauerplatte auflegen. was ich mich freue: vollgekotzte ubahnen, keine taxis, tantschende männer, noch mehr japaner kampfgeschwader. graa! möge es doch schon vorbei sein.

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