Fotogen…

Ich koche… naja, so mittelgern. Hauptsächlich deshalb, weil es immer heißt, ich könne das gar nicht. Wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Möglicherweise entstammt es aber noch aus dem Mittelalter der Vorzeit meiner Ehe mit Herrn Müller. Damals, als es noch galt, mich zu umwerben, kochte er nämlich oft und gern für mich. Weil ich also selten bis nie am Herd stand, entwickelte sich die Mär, ich könne mit diesem Dingsda nichts anfangen. Hätte ich den Dingen seinen Lauf gelassen, wie das jeder intelligent denkende Mensch tut, müsste ich wahrscheinlich bis heute nicht kochen. Aber ich bin ehrgeizig und beweise gern Leuten das Gegenteil. (Das ist dumm, ich weiß.) Na ja, mittlerweile koche ich… also… so mittelgern.

In diesem Zusammenhang wüsste ich gern, warum die Bilder auf Rezepten immer so wahnsinnig lecker aussehen, während das, was auf dem Teller landet, stets wie ein Zusammenprall mit einem Kleinlaster anmutet. Ja, ich weiß natürlich, dass für die Fotos Fooddesigner mit Shampoo und Lebensmittelfarben herumspielen und dass das gebackene Paprikahühnchen schon mal eine Requisite aus dem Theater sein kann. 

Aber mittlerweile habe ich noch eine perfidere Art der Bebilderung von Rezepten entdeckt: Da werden einfach die rohen Zutaten zu einer schmackhaften Komposition verarbeitet. Sieht natürlich gleich viel frischer aus, das Ergebnis, nicht wahr? Weil in der Pfanne gebratete Zwiebeln nämlich nicht weiß bleiben und Bohnen schon mal gar nicht grün. Weil nämlich alles in natura einen irgendwie bräunlichen Ton annimmt. So einen Pamps kann man dann aber nicht mehr schick auf Zelluloid bannen. Deshalb stapelt man Zwiebeln, Bohnen und alles andere, was gekocht schon mal doof aussehen kann, einfach so in einen Topf und nennt das Ganze dann „Sommerliche Grüne-Bohnen-Pfanne mit Irgendwas“. Und die Hausfrau steht am Ende vor ihren heulenden Kindern und dem schimpfenden Mann, und keiner will das echte Gericht essen. Sah so schön aus auf den Fotos und was hast du draus gemacht? Du kannst nicht ko-ho-chen!

Oder, noch so ein Trick: Man mischt Ingredenzien ein, die gar nicht im ursprünglichen Rezept vorhanden sind. Quasi als Farbtupfer. Das Auge kocht schließlich mit. Da sprang mich doch letztens Spinat auf einem Auflauf an, der gar keinen Spinat enthielt. Oder diese komischen gekochten Eier da in dem Nudelgratin. Sieht natürlich hübsch aus, nur gab´s keine Eier im Rezept. Und unter die vegetarischen gefüllten Paprika hatte ein Fotograf gar Schinken gemischt (was das Ganze nicht nur fürs Auge erträglicher macht, glauben Sie mir)!

Wie soll man denn da noch verfolgungswahnfrei kochen? Verraten Sie mir das mal…

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7 Kommentare zu “Fotogen…

  1. Manu sagt:

    *hüstel* Bohnen bleiben grün, wenn man sie nach dem Kochvorgang SOFORT abschreckt. *undwech* 😉

    LG

    P.S. Der Gatte sagt immer, dass das Essen, welches besonders sch… schlecht aussieht bei mir immer am besten schmeckt. *grmpf*

  2. Juliane sagt:

    Versuchen Sie es doch mal mit Kupfertöpfen, darin gegart behält angeblich jedes Gemüse seine hübsche Farbe.

  3. Der Emil sagt:

    Verfolgungswahnfrei Kochen? Ganz einfach:

    Vor Wut.

    Worauf? Na das kann ich ja nun wirklich nicht wissen …

  4. menzeline sagt:

    Nicht entmutigen lassen, liebe Frau Müller, das wird schon mit der Zeit. Und außerdem egal wie das Essen aussieht, Hauptsache es schmeckt.
    Ich experimentiere oft in der Küche, mit Resten, oder mit Sachen, die gerade so da sind.
    Da könnte manch einer denken, dass das nicht zusammen passen würde, aber komischerweise schmeckt es immer.
    Also ran an den Kochtopf und munter weiter köcheln.

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