Höhlenforscher…

Das sommerliche Unterhaltungsprogramm läuft. Während Herr Müller Kind 1 seit zwei Wochen regelmäßig in alle Freibäder der Umgebung tunkt, war gestern Wandern dran. Aber nicht nur schnödes Latschen durch den Wald. Besser! Höhlenwandern! Unbestätigten Gerüchten zufolge verfügt unsere unmittelbare Umgebung nämlich über allerhand Höhliges zum Anschauen. Für einiges davon wird Geld verlangt, anderes kann man mit der Taschenlampe selbst durchstreifen. Und was ist mit neugieriger Brut besser als ein Höhlenforschertag! Gelle? Fanden wir auch.

Nur der Hinweg war leicht beschwerlich. Die Steigung zur Höhle betrug gefühlte 90%, zumal Frau Müller Brut 2 auf den Bauch geschnallt hatte. Kind 1 indes wackelte munter plappernd drauflos. Immer darauf bedacht, möglichst a) Erster zu sein und b) die Batterien der mitgebrachten Taschenlampe (Höhlenforscher-Kit) noch vor Erreichen des Ziels zu entleeren. Unterwegs fanden wir eine tote Maus, von der Kind 1 den Rest des Weges philosophierte, sie schlafe wohl nur, weil sie so viel Eis gegessen hatte und nicht mehr weiterlaufen könne. „Die schläft jetzt aber ganz schön lang.“ meinte Herr Müller in einem unbedachten Moment. Aber Kinder sind für solche Feinheiten zum Glück noch nicht empfänglich. „Ja, bis morgen! Vielleicht auch bis gestern. Aber mindestens eine halbe Stunde.“

Nach einem gefühlt 10km langen Marsch über Stock und Stein (immer den Berg hoch), waren wir dann endlich da. Frau Müller brach am Ziel entkräftet zusammen, Herr Müller entschwand mit Kind 1 in der Finsternis eines Höhlenloches. Merke: So ein Plappermündchen geht auch bei Hochspannung nicht zu, weshalb es unmöglich ist, ein Kind in einer Höhle zu verlieren. Zwei Stunden später, Frau Müller hatte ein Schläfchen gemacht, Kind 2 versorgt, noch ein Schläfchen gemacht und alle mitgebrachten Getränke ausgesoffen, tauchten Mann und Kind wieder auf.

Da drin sind nur Schatten, Mama, Schatten und Steine, da musst du keine Angst haben, das ist ganz dunkel und wenn man das Licht anmacht, ist es ganz hell und wir sind geklettert und geklettert und der Papa hat sich den Kopf gestoßen und ich auch, aber ich hab nicht geweint und ich hab meine Mütze aufgesetzt, weil es da von oben runtertropft und ich muss Pipi und kann ich ein Eis haben….

Ich bin dann auch noch mal durchgelaufen, unter ständigem beruhigenden Plappern des Kindes („Musst keine Angst haben, ist nur dunkel. Kannst meine Hand anfassen, dann fürchtest du dich nicht….„). Dann ging es wieder zurück nach Hause. Noch schnell geguckt, ob die Maus noch schläft, dann ab zum Auto und gen Heimat…

Gegenüber uns begegnenden Wanderern haben wir übrigens fest behauptet, wir machen so eine Tour jeden Tag und die Steigung würden wir in zehn Minuten hochrennen. Das kann man aber nur glaubhaft rüberbringen, wenn man sich am Ziel bereits eine halbe Stunde lang erholt hat und die Gesichtsfarbe wieder normal ist. Auf diese Weise verschafft man sich Respekt in der Wanderergilde. Nur die Brut sollte vielleicht nicht unbedingt daneben stehen, wenn Sie fremde Leute anlügen. („Mama hat die ganze Zeit gemeckert und gesagt, sie dreht wieder um und sie kann nicht mehr und überhaupt…„)

Heute machen wir nix. Heute wird gegammelt und der Muskelkater gepflegt.

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10 Kommentare zu “Höhlenforscher…

  1. Der Emil sagt:

    Ach ja. Die lieben Kleinen. 😀

    (Mein Mitgefühl im übrigen für die Leidenswege als Mutter und Familienmensch.)

  2. holldrio sagt:

    Hallo Frau Müller…
    Ich glaub Ihnen fehlt noch a bisserl Kondition, kann das sein. 😉
    Vorstellen könnte ich mir, dass sich Kind Nummer zwei schon darum kümmern wird.
    Der wird bestimmt nicht nur in die Höhle reinschauen,
    sondern sie auch vergrössern und ausbauen wollen.
    Pflegen Sie Ihren Muskelkater, solang sie noch können. :))

    Grüsse aus dem Schwabenländle

  3. Wortman sagt:

    Das klingt doch richtig gut 😀 Für Kind 1 war das bestimmt ein tolles Erlebnis.
    Wo sind denn diese Höhlen? Ich tippe mal, weit weg von uns hier im Süden 😉

  4. menzeline sagt:

    Oh, Sie arm geplagte Mutter, ein Kind was nur am Quaseln ist und das bei einer Wanderung, wo einem doch so die Puste aus geht. Sie sind echt zu bedauern.

    Nun schonen Sie sich mal ordentlich und pflegen Ihren Muskelkater, damit Sie für den weiteren Forschungsdrang Ihrer Kinder fit sind.

  5. Wolfram sagt:

    Und bei der Überschrift hab ich an Güneckolohgen gedacht…

    was ist ein Gyn-Chirurg? Ein aufschneidender Höhlenforscher!

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