Penibel: Grün…

Er gießt seinen Rasen. Dass es gestern den ganzen Tag über geregnet hat, interessiert ihn nicht. Weil er einen nach eigenen Angaben dynamischen Rasen hat, der mehr verbraucht als Otto-Normal-Rasen. Sieht man ja auch: Die Gräser stehen viel dichter, sind grüner und überhaupt. Man könnte Golf auf diesem Grün spielen. Wenn man den Rasen denn betreten dürfte. Das darf man nämlich nicht. Das darf nur der Rasenmäher und der ist eines dieser aus dem All gesteuerten Roboterdingern, die nichts wiegen und daher keine Spuren auf dem Grün hinterlassen. Der kleine runde Kerl schnurrt alle drei Tage dienstbeflissen durch den Garten und rasiert alles ab, was höher ist als 2,36 Zentimeter. Nach getaner Arbeit fährt er zurück an seine Ladestation und stellt sich aus.

„Saugen Sie da auch Staub?“ will ich wissen und registriere eine hochgezogene Augenbraue. Das könnte „Ja, natürlich!“ heißen. Schließlich dreckt so ein Rasenteppich auch mal ein. Allein die Blätter, die drauffallen. Auch Vogelscheiße darf nicht unterschätzt werden. Natur hat nämlich Verdauung, müssen Sie wissen.

Jetzt jedenfalls läuft der Rasensprenger. Trotz des gestrigen Landregens. Der kleine Mähbutler schläft in seiner Ecke und das durchgetaktete Pflegeprogramm sieht nun Wasserzufuhr vor. Gekalkt wird ansonsten dreimal im Jahr. Zweimal zudem vertikutiert und neu ausgesäht. Obwohl, aussähen jetzt der falsche Begriff ist, denn etwaige Löcher im Rasen werden mit sogenanntem Pflastergrün versorgt – also eigens gepflegten und zurechtgestutzten kleinen Rasenstückchen, die ganz bestimmt von irgendwoher eingeflogen werden.

Damit aus den ungepflegten Pennergärten der angrenzenden Grundstücke kein wühlendes Getier überspringt, ist das gesamte Grundstück zudem mit bis in 50 Zentimeter Tiefe vergrabenem Maschendraht geschützt. Nur die Überdachung fehlt eigentlich noch. Aber die kommt bestimmt auch noch…

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6 Kommentare zu “Penibel: Grün…

  1. Lilly sagt:

    Hmmm, böse Natur aber auch! Dynamischer Rasen *tsss*, sowas gibt’s?! Wir bei uns schwören ja auf unser Grün. Sozusagen immer grün – ja doch, auch wenn’s nicht regnet. Wir wässern ja nicht. Ne, ne, ne – soll das Grünzeug doch sehen, wo’s das Wasser hernimmt. Aber, es ist sehr schön grün, Tritt fest, Hunde fest, Besitzerresistent, flauschig weich und grün eben. Moos – weniger dynamisch, dafür grün – immer! Hat es erst einmal den Rasen verdrängt, sieht es wunderschön aus, sogar mit Gänseblümchen. Jawohl!

  2. Jorin sagt:

    Wie wär’s mit Beton? Kann man wunderbar grün streichen…

  3. Wolfram sagt:

    Die Überdachung würde dann aber jeden Zweifel an der Zweckmäßigkeit des Bewässerungssystems aufheben…

    hier wär das ja gesellschaftlicher Selbstmord, sowas. Außerdem hat die Präfektur das Bewässern bis Ende September bei Strafe verboten.

  4. Inch sagt:

    Das ist bestimmt Rollrasen. Oder so. Ich kenn mich da ja nicht aus. Ich glaub ich würde da mal Wildblumensamen rüber schmeißen. Allerdings, die würde das Rasenmäherstaubdings sicher sofort erkennen und weg saugen.

  5. typ3typ sagt:

    Immer wieder amüsant hier zu lesen. Danke!
    Ich würde jeden Tag (oder besser in der Nacht) eine Handvoll Vogelfutter großflächig Drüben verteilen. Da sind die Samen der fiesesten Pflanzen drin. 😉

  6. janine sagt:

    😉 ich kann das gut nachempfinden! die tücken gartens entdeckt man erst, wenn man gezwungen wird, diesen auch mal genauer zu betrachten und ihn klar schiff zu machen. was tut man nicht alles für einen platz im grünen?! 😉

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