Frauentausch…

Ich habe beschlossen: Wir machen beim Frauentausch mit. Weil ich vormittags immer viel freie Zeit für schlechtes Fernsehen habe, hatte ich die Möglichkeit, ausreichend zu recherchieren und glaube nun zu wissen, wie der Hase läuft.

Es treten immer Penner gegen Penibelchen an. Im Vorfeld lohnt es sich, sich schon mal vorsichtig für eine Seite zu entscheiden. Meist reicht es aber aus, sich selbst als „chaotisch“ zu bezeichnen, um automatisch den Pennern zugeordnet zu werden.

Auch andere Dinge sind wichtig, haben aber keinen Einfluss auf die Einsortierung: Man täuscht einen Putztick vor und behauptet frech, Klo, Küche und Wohnzimmer würden täglich geputzt. Ob das auch im wahren Leben der Fall ist, ist irrelevant. Haben Sie Interesse daran, erneut in die Pennerkategorie einsortiert zu werden, sollten Sie dringend Sätze sagen wie: „Eine Grundsauberkeit sollte immer vorhanden sein.“ oder „Ich mache mich nicht zum Sklaven meiner Wohnung, aber sauber isses schon.“ Stehen Sie zufällig gerade in der Küche sagen Sie bitte: „Wir kochen jeden Tag frisch.“

Lassen Sie sich  ansonsten, je nach  Ehrgeiz, mit der Fernbedienung auf dem Sofa oder einem dicken Wälzer vor dem Bücherregal filmen. Das erleichtert dem Fernsehteam, Sie passenderweise als Couchpotatoe oder Feingeist zu betiteln.

Kinder sind eine nette Dreingabe.  Sie sollten aber stets behaupten, eine gute Mutter zu sein. Dann lesen Sie Ihrer Brut entweder etwas vor (gut) oder schicken sie in ihr Zimmer und behaupten, die Blagen hätten ADHS (Penner).

Nun geht es los: Angekommen in der Gastfamilie sollten Sie als allererstes „Oh Gott“ oder „Iehgitt“ rufen. Dann inspizieren Sie das Klo und befinden es als dreckig. Überhaupt sollten Sie alles dreckig finden, egal wie sauber die vorgefundene Wohnung ist. Für den Fall, dass Sie nichts zu meckern finden, lassen Sie unbedingt eine Bemerkung a la „Wohnen die in einem Möbelkatalog?“ fallen.

Für den Rest der Tauschwoche reicht es, wenn Sie die andere Familie als Assis bezeichnen und wiederholt versichern, die Tauschpartner könne man Ihnen auf den Bauch binden, ohne dass etwas passieren würde. Darüber hinaus sollten Sie anfangen, die komplette Wohnung zu putzen. Zeitgleich hat die eingetauschte Hausfrau in Ihrer Wohnung dafür zu sorgen, dass endlich mal hinter den Schränken saubergemacht wird. Alternativ können Sie sie auch das Haus anstreichen lassen und behaupten, das wäre normalerweise Frauenarbeit. Ihr Mann sollte während der kompletten Zeit  unbedingt nicht kooperieren und behaupten, das bisschen Haushalt sei doch nicht so schwer…

Sind die zehn Tage geschafft und Sie treffen final auf Ihr eingetauschtes Gegenstück, vergessen Sie nicht, Tauschfrau und deren Familie als Penner zu bezeichnen. Seien Sie auf keinen Fall nett und machen Sie bloß keine Komplimente. Stattdessen bieten Sie Schläge an. Weisen Sie dann darauf hin, dass Sie sich gleich vergessen und verlassen Sie den Raum. Vor der Tür weisen Sie abschließend noch einmal auf Ihre gute Kinderstube hin, die dafür gesorgt hat, dass Sie nicht austicken. Dann haben Sie es geschafft und können wieder heim. Wenn Sie gefragt werden, was Sie aus dem Experiment Frauentausch gelernt haben oder mitnehmen, sagen Sie „Nichts!“ „Zuhause ist es am schönsten.“ geht zur Not auch.

Sehen Sie? Ist doch ganz einfach…

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22 Kommentare zu “Frauentausch…

  1. engelchenfiona sagt:

    waaaaaaaah frau müller schaut schon vormittags horror, dann ist der gruselschocker am abend wohl nur noch zum beruhigen für die nerven, oder wie?

  2. Ayselein sagt:

    Und unbedingt an einige Schränke und Türen, Zetteln, mit der Notiz: „Hier hast du nix zu suchen!“ oder „Finger wech, sonst Beule!“ o.ä. anbringen.

    Trotz massiven Meinungsverschiedenheiten, Streit und Stress, beim Abschied weinen und und so tun als wenn es einem schwer fällt. Kommt auch immer gut.

    Ich selbst gucke die Sendung natürlich nie. Das hat mir mal der Kollege vom Schwager eines Arbeitskollegen , und davon der Nachbar erzählt. Ich gucke immer Ahrte und Neschinelgeograviee. Solche Sendungen sind unter meinem Niwoo.

    • Ayselein sagt:

      Oh, ich habe bemerkt, dass ich den einen Sender falsch geschrieben habe.
      Ich meinte natürlich „NeschinelgeograVIEH“ . Ich mein‘, dass datt so geschrieben werden tut. Von wegen den Tieren un so, weisse?

  3. Frau Zimmer sagt:

    Wenn ich das so lese, bekomme ich fast Lust, da auch mal wieder reinzuschauen 🙂 Perfekte Zusammenfassung!

  4. joanna sagt:

    AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHH!!!!!

    VOR LACHEN VOM STUHL FALL!!!!

    Ganz wichtig: den 2. jährigen „Dschäremiii-Paskal“ vor den Fernseher setzen, und sagen: „da is er immer ganz lieb!“.

    Auf jeden Fall Rotz und Wasser heulen, wenn man die eigene Familie auf der Video-Botschaft sieht, und Dinge sagen wie: „der Dieter sieht nicht gut aus… ich seh‘ es dem an, dass es ihm nicht gut geht!“

    Oh Gott… so gelacht…

    Joanna
    (aber gucken tue ich es natürlich auch NIE!)

  5. Tanni sagt:

    nääää guggen tun mir so was net. Mir hörn nur davon. *kicher* Isch guggs jetzt halt net mehr weils mir zu dumm war, ist immer das gleiche Muster…. Assischlampe trifft auf Geisteskranke… heheheeeee und net vergessen immer wieder zu betonen das die Olle ja ihre Griffel vom geliebten Gatten lassen soll…… ausserdem ist Dreck gesund, zu sauber darf es ja nicht sein das Kind braucht das damit es keine Allergien bekommt. Das Aschenputtelexperiment ist jetzt noch schöner, noch geiler, weil da trifft arm auf reich…… aber habbich auch nur gehört. EHRLICH! 😉 zurück zu entefau.

  6. Lilly sagt:

    Treffend auf den Punkt gebracht, Frau Müller. Die drei/vier Mal, als ich auf der Sendung gelandet bin, hab ich nach ’ner halben Stunde immer rausgeschaltet, weil ich fast ’nen Föhn bekommen habe. Empfehlen kann ich dies Buch hier: http://www.amazon.de/Queen-Mum-Roman-Kate-Long/dp/3442463343/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1343122334&sr=8-2
    Was sie sich schon vormittags so einverleiben, tsss 😉

  7. CeKaDo sagt:

    Was empfehlen Sie als Verwendungszweck für die 200 € Honorar, die es für eine Sendung gibt? Einen neuen Fernseher anzahlen? 😉

    • Frau Müller sagt:

      Eine Zugfahrkarte nach Nirgendwo. Weil man sich nach Austrahlung der Sendung nie wieder irgendwo blicken lassen kann… Obwohl… Ist der Ruf erst ruiniert…

  8. Christel sagt:

    Allein von Lesen Ihres Artikels bekomme ich „Fremdschämanfälle“ und ein schaurig-gruseliges Bedürfnis besagte Sendung zu Studienzwecken mal heimlich anzusehen …. hihihihihi ….

    Christel

  9. sasse sagt:

    So, Frau Müller. Jetzt hab ich Ihren ganzen Blog in zwei Tagen durchgelesen und werde sie in den Reader aufnehmen. Es freut mich, Sie „kennenzulernen“.

  10. petra sagt:

    und vergessen sie den erdbeerkäse im kühlschrank nicht….

  11. Manu sagt:

    GENAU!!

    Ich hoffe, sie teilen uns den Sendetermin mit Frau Müller. Das möchte ich mir natürlich NICHT entgehen lassen.

    LG

  12. Es gibt im Ernst 200 Euro dafür? Also ich meine: Wofür denn eigentlich, ich hab da noch nie von gehört und es ist mir völlig schleierhaft, was Frau Müller da absolut genial treffend beschreibt (usw. usf.)…ich kann nicht wieter kommentieren, ich muss die Kanten in den Kassettentüren unserer Wohnung zum zweiten Mal abstauben, seit heute morgen liegen da schon wieder Fussel.

    • CeKaDo sagt:

      Echt, das sind 200 Euro. Und wer seine Wohnung dem Fernsehteam für einen Tag zur Verfügung stellt, bekommt bis zu 500 €. Die räumen dann aber auch alles so zurecht, bis es für den Dreh passt. Ohne Aufräumen hinterher, versteht sich.

      Achten Sie mal auf den Miniabspann bei den einschlägigen Sendungen, fragen dann Tante Gugl nach der Firma und sprechen die mal an wegen Dreh und so. Die sagen immer ja, wenn Sie etwas interessantes zu bieten haben. Also fast nie nein.

  13. Christian sagt:

    Vielen Dank, liebe Frau Müller,

    wie ich es schon geahnt habe, typisches Format der Privaten.

    Hatte bis jetzt nur kurze Ausschnitte beim zappen gesehen,
    (Warum schalten Fernseher bei so was immer extra langsam um?)
    und kann mir nach der Beschreibung die ersten 3. Staffeln in voller Länge vorstellen… *grins*

    Vielen Dank für die gesparte Zeit, da kann ich mich doch gleich entspannt auf die Terrasse setzen und das schöne Wetter genießen.

    Und heut Abend noch ein bisschen im Blog stöbern…

    LG Christian

    von http://www.motorradwelten.blogspot.de

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