Fluch Kleinstadt…

Das Leben in einer einem Dorf recht ähnlichen Kleinstadt bringt zuweilen einige Schwierigkeiten mit sich. So kennt sich möglicherweise die ganze Dorfgemeinschaft mit Vornamen. Zugezogene wiederum stellt das vor ein ziemliches Problem.

„Wo haben Sie das machen lassen?“
„Beim Friedrich.“
„Wo?“
„Na beim Friedrich,  da vorne!“

Noch schlimmer: Die Spitznamen:

„Die Gesi näht Ihnen das!“
„Oh, wie heißt sie denn richtig?“
„Was weiß ich denn, Gesi halt…“

Nochmal schlimmer:

„Wie, den kennen Sie nicht? Den kennt doch jeeeeeder! Dann sind Sie aber selbst schuld!“

Empörtheit über Wissenslücken Zugezogener ist übrigens meist ledlich eine Verschleierung der eigenen Unwissenheit. Wer traut sich denn schon, Friedrich und Gesi nach 15 Jahren Dorfgemeinschaft nach dem richtigen Namen oder der korrekten Anschrift zu fragen…

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11 Kommentare zu “Fluch Kleinstadt…

  1. der_emil sagt:

    Hm. *nick* Und wenn die Kinder die Spitznamen von ihren Eltern erben, dann: „Ich hab doch den jungen Gustav gemeint!“

  2. Lilly sagt:

    Oh ja, kenn ich. Gibt man’s denn auf und fragt einfach wo sie denn wohnen:
    „Da wo Du über die Kuppe kommst.“
    „Was für ’ne Kuppe?“
    „Wo die komischen Bäume stehen.“
    „Hä?“
    „Na, da wo auch der Andere wohnt. Als Kinder haben wir da ja immer gespielt.“
    „So, so. Aber wo genau?“
    „Da bist Du schon so oft ‚dran vorbei gefahren!“
    „*hmpf*“
    „Also, wenn Du da lang fährst, wo früher immer die Fliedersträucher waren…………………….

  3. Wolfram sagt:

    Da hilft nur den Pfarrer fragen.

    • Lilly sagt:

      Ist das der, der da wo wohnt, wo die Anderen immer hinlaufen, schräg gegenüber von dem, der früher immer die Ziegen gemolken hat? 🙂

      • Wolfram sagt:

        Das ist der, der wo da wohnt, wo nehmdran dem großen Haus steht mit den Wecker auffen Turm, der unser Omma immer sacht, wenns Mittach is unnsem Oppa seinm Tella hinstelln muß. Un der unser Oppa morgns imma außem Bett läutet. 😀
        Und der ist erstens immer ein Zugewanderter, zweitens kennt er die Leute beim Zivilnamen. Wenn er schon länger da ist, kennt er Zivilnamen und Dorfnamen.

  4. Filinchen sagt:

    Kenn ich! Hier haben fast alle alteingesessenen Personen ihren sog. Hausnamen. Der Schlabbenäher ist kein Schuster, sondern einer seiner Vorfahren hatte diesen Beruf. Der Muttergottes-Meyer heißt so, weil an seinem Haus eine Muttergottesfigur angebracht ist und er somit von den anderen Meyern zu unterscheiden ist. Es hilt also nur, am Stammtisch Studien zu betreiben und immer nachzufragen.

  5. CeKaDo sagt:

    Ich war mehr als 10 Jahre in einer sehr dörflichen Gegend der Lüneburger Heide verheiratet. Das liegt in Niedersachsen, im Bermudadreieck zwischen Hannover, Hamburg und Bremen. Ich kam aus Hannover gebürtig, das rund 50 Kilometer entfernt die Landeshauptstadt darstellt.

    Ich war über 10 Jahre lang „der Mann von der XY“, die im Dorf geboren und aufgewachsen, und vor allen Dingen nie aus diesem Pudding herausgekommen war. Erst als ich mich scheiden ließ, bekam ich einen eigenen Namen. „Der Ex-Mann von der XY“.

    Ich bin an den Rand des Ruhrgebiets gezogen. Jetzt habe ich einen Namen, der auch schon seit meinem 15. Lebensjahr im Personalausweis steht. Manchmal ist es gut, in die Förmlichkeit der großen Städte zurückzukehren. Und sei es nur um des eigenen Namens willen.

    • Lilly sagt:

      Ist schon drollig. Unsere Nachbarn, seit etwa 20 Jahren hier wohnend, sind immer noch die „Neuzugezogenen“. Wir sind „die aus Bremen mit dem blonden Labrador“. Liegt ja auch wahnwitzige 4km weit weg. Aber „die mit dem Stafford“, die sind auch nicht von hier. 🙂

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