Och nö…

Am Freitag ist ja definitiv Ende Gelände. Will heißen: Frau Müller verabschiedet sich in den Mutterschutz. Bewundernswert, dass der Arbeitgeber es tatsächlich geschafft hat, drei Tage vor Ende eine Vertretung zu organisieren.

Auf der Bildfläche erscheint: Eine Dame mittleren Alters, Typ: Münchner Schickeria. Blondiert, toupiert, Glitzerjäckchen. Der erste Satz lautet: „Das muss heute schnell gehen, ich habe noch Termine.“ Dann bekomme ich gesteckt, dass die Dame keine Kinder hat und somit belastbar ist. Angebotene Lebensmittel werden zudem mit den Worten abgelehnt: „Sie können das gern essen, ich werde nur fett.“

Das kann ja heiter werden.

Die Einarbeitung an sich ist standardmäßig erst einmal ein Monolog. Üblicherweise von mir. In diesem Falle komme ich erstmal nicht zu Wort, weil ich mir Geschichten darüber anhören muss, wie furchtbar das ist, was wir hier machen, und dass noch viel Zeit ins Land gehen muss, bis sich das mal durchgesetzt hat. Ich nehme es mit einem Lächeln hin. Irgendwann ist der Tag bestimmt vorbei.

Dann darf ich reden und spule meinen Vortrag ab. Als wir schließlich zum praktischen Teil übergehen, wird es wieder zäh. Denn obwohl es sich bei der Dame angeblich um eine ihres Faches handelt, fallen schon bei simplen Textbearbeitungen Mängel auf. Makros sind völlig unbekannt. „Suchen/Ersetzen“ ruft große Verwunderung hervor und über die korrekte Schreibweise müssen wir auch das eine oder andere Mal streiten. Mir wird ein bisschen schlecht.

Jetzt kann man eigentlich nur noch Vergrämungstaktiken fahren. Ein bisschen was haben wir wohl unbewusst im Vorfeld schon erledigt, denn die Dame desinfiziert das Klo, als sie sich einmal kurz „zurückzieht“. So etwas macht man eigentlich nur, wenn man Opfer einer Zwangserkrankung ist oder sich aus Versehen auf einem Bahnhofsklo erleichtern muss.

Aber wir haben noch andere Dinge vorbereitet. So darf der große Typ da im Nachbarzimmer gern mal näher rücken und mir verliebt in die Augen schauen. Manchmal tätschelt er mir auch den Popo. Ich kichere dann albern und klappere mit den Augen. Der neuen Mitarbeiterin werde ich natürlich nicht stecken, dass der Mensch da Frau Müllers angetrauter Ehegatte ist. Stattdessen flüstere ich der Dame in einer stillen Minute ins Ohr, dass man den Männern immer wieder Anreize geben sollte, damit ihnen der Spaß an der Arbeit erhalten bleibt. Dann lasse ich die Neue mit ihren Gedanken allein.

Mit Pech wird die sich jetzt an meinen Gatten heranmachen. Mit Glück sucht sie das Weite… Scheiß auf Vertretung. Ich bin eh in vier Monaten wieder da…

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6 Kommentare zu “Och nö…

  1. hätt ich noch drei Minuten gewartet, dann wäre mein Kommentar zum anderen Posting überflüssig gewesen 🙂 Dachte eigentlich, da käme eine männliche Vertretung, wegen der Bemerkung über die künftige Toiletten-Aufteilung. Aber diese Dame, das hört sich ja tatsächlich nach Abneigung auf den ersten Blick an. 🙂 Sagen Sie mal, Frau Müller, benutzt man beim professionellen Lektorat eigentlich das Korrektur-Programm einer bekannten Firma? Ich hab so eins. Und ich liebe das Ding heiß und innig. Aber ich mach ja auch kein professionelles Lektorat. 😉 Wie man ohne “Suchen/Ersetzen” leben kann, das ist mir trotzdem schleierhaft.

    Liebe Frau Müller, bitte denken Sie immer daran, dass sich die Dame mit ihren beschränkten Kenntnissen in den kommenden Monaten durchschlagen muss. Da wird sie dann schon sehen, wo das hinführt. Und wird vielleicht im Nachhinein noch für Ihre Tipps und Hilfestellungen des heutigen Tages dankbar sein . Mein Tipp wäre: Geben Sie eine Sondervorstellung in der Parade-Rolle als „gute Fee“ oder „Erklärbär“. Innerlich können Sie ja mit den Augen rollen und sich an der Vorstellung erfreuen, dass die gute Dame dann eben ins kalte Wasser geworfen wird. Entweder sie lernt das Schwimmen oder sie säuft ab. Wenn Sie absäuft, werden sich die Kollegen umso mehr über die Rückkehr von Frau Müller freuen. Weil dann die Zeit der dämlichen Fragen vorbei ist. 🙂
    So, genug geplappert. Muss wieder was tun.

  2. menzeline sagt:

    Oh, meine Güte, da hat es Sie aber voll erwischt, arme Frau Müller.
    Da hoffe ich ja nur, das diese Dame bald wieder den Abflug macht.

  3. Liebe Frau Müller, Respekt!
    nicht jedem Arbeitnehmer ist es so wichtig, dass die eigene Arbeit tatsächlich auch von anderen ordentlich erledigt wird! Bei Ihnen ist jedenfalls kein Anflug von „nach mir die Sintflut“ — aber Sie wollen ja auch wiederkommen. 🙂 Seien Sie doch froh, man wird Sie vermissen!

  4. Caramellita sagt:

    Das glaub ich allerdings auch, dass man froh ist, wenn Frau Müller in vier Monaten wieder da ist 🙂
    Ist die Schnepfe dann wieder weg???
    Schöne zwei letzte Tage noch!
    Caramellita

  5. Inch sagt:

    Ach Herrjeh! Ich nehme meinen Kommentar zum vorigen Post zurück!!!!!

  6. Deprimiert, dass sie trotz fescher Klamotten und Vorzeigefigur keinen abbekommen hat, während die andere sich gehenlassen kann (also wirklich Frau Müller, Hüttenkäse und Salat, alles andere ist böse!) UND auch noch angebaggert wird. 😉 Kompetent ist sie auch noch! Also wirklich, müssen Sie das arme Ding so foltern? 😈

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