Grabscher…

Im Leben einer Frau gibt es Zeiten, da wird sie quasi Gemeingut. Da darf jeder einmal hingehen und zutraulich werden. Uralte Muttchens wechseln in dieser Zeit nicht selten die Straßenseite, um sich Ihnen ungefragt zu nähern. Als Frau haben Sie das hinzunehmen. Denn Greisinnen haut man nicht.

Frau Müllers Bauch sieht nun nicht länger fett aus. Mittlerweile bin ich auch für die Außenwelt glaubhaft schwanger. Das scheint bei manchen Mitmenschen einen Schalter umzulegen. Sie beginnen dann, meist am Obststand oder beim Warten auf den Bus, ungefragt Gespräche übers Kinderkriegen und -haben. Ob Ihnen das recht ist, ist dabei zweitrangig. Brav haben Sie Auskunft zu geben über Geschlecht, Gewicht und anvisierten Namen des Kindes, werden nach dem stolzen Vater befragt und über Gebühr belächelt und beglückwünscht. Wenn es ganz schlimm kommt, werden Sie auch angefasst. Das passiert meist dann, wenn Sie es am wenigsten erwarten und dient dazu, das Gespräch in Gang zu halten.

Als „Werdende“ müssen Sie da durch. Gezeter Ihrerseits macht die Sache nur schlimmer und zieht sie überdies in die Länge. Denn wenn Sie nicht seelig grinsen sondern sich womöglich belästigt fühlen und einen Schritt zurück machen, wenn die fremde Hand sich Ihrem Bauch nähert, wird automatisch impliziert dass: Etwas mit dem Kind nicht stimmt; das Kind unehelich ist, die Mutter sich möglicherweise nicht genug freut oder Ähnliches. Und dann haben Sie den Salat. Dann erzeugen Sie Misstrauen, welches unter Umständen dazu führt, dass man sich mit Umstehenden über Sie unterhält. Das geschieht meist flüsternd aber doch laut genug, dass Sie mithören können.

Man kann sich beruhigen, indem man sich immer wieder vor Augen führt, dass es ja in absehbarer Zeit vorbei ist mit der Zudringlichkeit Unbekannter. Leider stimmt das nicht. Denn spätestens wenn das Kind da ist, wird das angegrabbelt. Weil so ein Würmle doch so süß ist und Knuddelware für Damen jenseits des Rentenalters… Hierzu folgt man Ihnen auch gern durch die Stadt, nur damit man, wenn Sie mal an einem Schaufenster stehenbleiben, aus der Deckung hervorspringen und das Kindlein kneifen kann.

Wenn Sie das verhindern wollen, machen Sie am Besten Folgendes: Die ersten sechs Jahre zuhause bleiben.

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13 Kommentare zu “Grabscher…

  1. Doktor Peh sagt:

    Bezüglich der zweiten Phase: hilft es da nicht, wenn Sie ausrufen: „Vorsicht! Es beißt!“?

  2. Michael sagt:

    Nö, einfach offensiv zurückgrabbeln. Und dann nachfragen, ob das denn so toll gefunden wurde. Das half bei uns in beiden Anwendungsfällen sehr gut.

  3. DerMattes sagt:

    Wo wir grade beim anvisierten Namen des Kindes sind:

    Aber nee, Sarah geht ja nicht. Sollte ja ein Junge werden wegen Übelkeit und so.

  4. Anna sagt:

    Rückblickend betrachtet hat mir die Phase, in der alle Omis den Junior angrabbeln wollten, besser gefallen. Damals konnte niemand genug von dem unglaublich süßen Kind bekommen. Da platzt das Mutterherz vor Stolz, gelle?

    Heute ist er der kleine „Omaschreck“, der den Ball zu doll an die Wand kickt, zu laut Skateboard fährt und überhaupt für alles verantwortlich ist, was den heiligen Mittagsschlaf stört. Immerhin schei**t er nicht auf den Rasen wie Obermeckeromas Dackel. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. :mrgreen:

  5. Juliane sagt:

    Wenn wieder eine kreischt:“Ooooh, wann isses denn soweit?“, gucken Sie ganz konsterniert und fragen „Was ist wann soweit?!“.
    Sollte diejenige, es dann immer noch nicht geschnallt haben, fügen Sie ein beleidigtes (oder cholerisches, je nach Tageslaune): „Ich bin NICHT schwanger!“ hinzu.

    • Benedikt sagt:

      Jau, ich habe auch gelernt: Kundinnen nie auf Schwangerschaften ansprechen, egal wie offensichtlich die Schwangerschaft auch zu sehen ist. Es gibt nichts schlimmeres als die Antwort „Kind? Welches Kind?“

      Das könnte man sich natürlich auch zur Waffe machen, gute Idee!

    • Frau Müller sagt:

      Das habe ich letztens schon einmal sehr erfolgreich angewendet. 😉

  6. Noch hilfreicher wäre es, die ersten 50 Jahre zuhause zu bleiben, dann reduziert sich auch spürbar die Gefahr des Bauchbetätschelns sowie morgentlicher Übelkeit, des Thrombosestrumpfüberstülpens, blöder Anmachsprüche in der Disco und derlei mehr …

  7. AnGarasu sagt:

    Einfach sagen: „Nicht anfassen. Könnte ansteckend sein.“ Schreckt im ersten Augenblick die meisten Leute tatsächlich ab. In dieser kurzen Zeit gleich ein paar Mal frenetisch husten oder nießen. Oder, wenn man’s kann, beides gleichzeitig. Am besten noch ein bisschen Blut spucken. Wirkt Wunder!

  8. Inch sagt:

    Tja, Frau Müller, ich könnte Ihnen ja jetzt einen Vortrag über Verhaltensweisen halten…
    Aber seien wir froh, dass es so ist und stehen Sie es durch. Das ist nämlich ein Verhaltensmuster, dass den meisten Säugern eigen ist, so gegenüber jeder Brut. Ein Reflex. Die Menschen können da nichts dafür und der würde zB dafür sorgen, dass, wenn ein Muttchen in einer prekären Lage ein allein und zurück gelassenes Kindchen findet, dieses nicht einfach da belässt, wo es ist, sondern mitnimmt und sich kümmert. Diese Art Reflex sichert sozusagen unser aller Überleben. In schlechten Zeiten. Kann ja niemand was dafür, dass wir grad gute Zeiten haben. Und wenn Sie dann irgendwann in 100 Jahren zu den Muttchen gehören, haben Sie keine Scheu, wechseln Sie die Straßenseite und begrabschen Sie die werdende Mutti oder das Kind 😀

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