Urwaldmops…

Der greise  Nachbar hat letztens aus Versehen das „Dschungelcamp“ geschaut. Statt das für sich zu behalten, wie es sich für einen anständigen Menschen gehört, hat er nun Gesprächsbedarf. Besonders über diese Dings mit ihren Dingsdas muss er sprechen. Denn das beschäftigt ihn. Ob die Dinger echt sind, will er wissen. Die von dieser Frau da.

Das ist der Moment, in dem man sich doof stellen könnte. Man könnte zum Beispiel vortäuschen, man wisse nicht, wovon der Mann rede und hätte vom Dschungelcamp noch nie gehört. Vermutlich würde man mit dieser Reaktion aber nur eine lange gestenreiche aber in weiten Teilen unverständliche Beschreibung provozieren, aus der hervorgeht, dass der Nachbar nicht einmal ansatzweise weiß, wovon er spricht. Man könnte allerdings auch antworten: „Nein, ich glaube, bei der Frau Leiß ist alles echt.“ Aber wir alle – Sie, ich, der Nachbar – wissen, dass es um Fräulein Schäfer geht. Vielleicht noch um Frau Nielsen, bei der ja auch nicht alles echt ist. Die ist aber um einige Jahr(zehnt)e älter und hat in den letzten Tagen auch noch nicht so tief blicken lassen wie die Micaela ohne H.

„Das könnte jetzt aber Ihre Enkelin sein“, führe ich neckisch zwinkernd an. Aber dieser Einwand wird mit einem genervten „Papperlapapp“ beiseite gewischt.
„Ja, die sind falsch.“ gehe ich deshalb ohne Umschweife zum Body of Evidence über.
„Meinen Sie?“
„Total.“ Schon allein der Sitz der Nippel sollte einen durchschnittlich interessierten Menschen stutzen lassen. Oder die absolute Unbeweglichkeit und Formtreue der Brust in Rückenlage. Oder die Tatsache, dass sich beim Laufen absolut nichts bewegt. Aber das spreche ich nicht aus, da ich vermeiden will, dass der Nachbar nähere Auskünfte erbittet und das Gespräch noch unangenehmer macht.

Der Umstand, dass er allen Ernstes wissen will, ob die Möpse einer sich täglich im Fernsehen einschlägig produzierenden Frau echt sind oder nicht, deutet wenigstens darauf hin, dass er die Sexseiten im Internet noch nicht gefunden hat…

Sanft leite ich das Gespräch auf weniger verfängliche Themen um, möchte zum Beispiel gern über den Fettgehalt von Heuschrecken reden. Aber so ganz lässt den Nachbarn das Mopsthema dann doch nicht los. Ob man mit sowas auf dem Bauch schlafen könne, sinniert er.

„Auf Ihrem sicher.“ kichere ich, aber der Witz geht voll nach hinten los.
„Frau Müller, ich bin verheiratet!“
Ach so.

Wir trennen uns, nachdem geklärt ist, dass auch Frau Nielsens Brüste falsch sind, der Mann mit dem Hut einen an der Klatsche hat und der tätowierte Kerl aussieht wie der Dachdecker, der letztens beim Rudolf den Sturmschaden repariert hat. Und überhaupt ist diese Sendung unterste Kategorie. Unterste!

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21 Kommentare zu “Urwaldmops…

  1. menzeline sagt:

    Wer guckt sich schon so einen Mist an?
    Und mit was für Nachbarn wohnen Sie denn, liebe Frau Müller, Tür an Tür?
    Ein verheirateter alter Greis, der mit seiner Nachbarin über Möpse diskutieren will, ich glaub es ja nicht.

    • Frau Müller sagt:

      Jetzt traue ich mich gar nicht zuzugeben, dass ich das auch geguckt habe.

      Und die Nachbarn… ab einem bestimmten Alter ist man ganz natürlich jenseits von Gut und Böse. Da darf man dann alles. 😉

      • menzeline sagt:

        Liebe Frau Müller,

        nach Ihren Anregungen hier, muss ich gestehen, dass ich gestern auch mal rein geschaut habe. Jedoch nicht sehr lange, vor allem, wenn das ekelerregende Essen zusehen ist.
        Igitt pfui Teufel, aber auch.

  2. Stef sagt:

    Also, ich gucke mir diesen Mist gerne an, und er scheint ja auch die nachbarschaftliche Konversation zu fördern. 😉

  3. Manu sagt:

    Genau UNTERSTE!! Und trotzdem schauen viele hin. Ich auch. 😉

    LG

  4. Anna sagt:

    Als hätte ich’s gestern schon geahnt… Sie sind diejenige, die eine Ekelprüfung absolviert hat. Bravourös gelöst. Von mir gibt’s dafür ein Sternchen. :mrgreen:

    Und was ich von alten Männern wie Ihrem Nachbarn halte, muss ich ja hier nicht wiederholen. 😎

    • Frau Müller sagt:

      Der braucht halt jemanden zum Reden, der Mann. Im Alter steigt auch das Kommunikationsbedürfnis.
      Und wenn ich nicht vorbeigelaufen wäre, hätte es jemand anderen erwischt. 😉

  5. Inch sagt:

    Haha! Unterste Schublade! Aber alle haben es gesehen…

  6. der Muger sagt:

    Wo läuft denn das Dschungel-Dings?
    Hab ich noch nie von gehört. Ich schaue eben nie Arte…
    liebe Grüsse vom Muger

  7. Armagan sagt:

    Ne ne, ich leugne nicht, ich steh dazu. Ich mag es. Ich komm mir dann immer so erhaben vor, wenn ich diese Menschen im Dschungel sehe. 🙂

  8. Alice sagt:

    Die zwei Wochen im Jahr… ich find’s witzig. Grad die diesjährige Riege. Da ist sich jeder einzelne der Tatsache nur Z-Promi zu sein durchaus bewusst…

  9. Schon wieder Duschgelcamp. Wie schnell doch son Ja vergeht. Wer aber glaubt, im australischen Busch ginge die Fernsehkultur den *gnihi* Bach hinunter, hat noch nicht den Bachelor gesehen.

    Hier müssen ZZ-Promis Kakerlakenkacke futtern, der Typ dort hingegen IST Kakerlakendingens. Schublade in Erdkernnähe.

    Wie gut, dass ich seinerzeit noch ein Diplom bekam …

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