Oh du stressige…

Pünktlich einige Tage vor Weihnachten erzählen uns jetzt auch die Zeitungen wieder das Märchen von der stressfreien, besinnlichen Weihnachtszeit.

Auf keinen Fall sollte man sich bis zum letzten Tag Zeit lassen mit dem Geschenkekauf, heißt es. Toller Rat… ich zähle noch drei verkaufsoffene Tage… da gibt es den Stress gratis dazu. Lieber solle man, wenn man denn die Möglichkeit hat, im Internet bestellen. Auch dufte, so kurz vor dem Fest. Die Post hat derzeit ja sonst nichts zu tun. Aber Weihnachtspräsente sind auch nach den Feiertagen noch toll…

Ach und die Familiengeschichten: Bleiben Sie standhaft und feiern Sie entweder allein (im Kreise der Lieben, so vorhanden) zuhause oder laden sich bei Oma/Eltern/Freunden ein, so lautet der angeblich stressfreie Tipp. Letzteres hätte den Vorteil, dass man nicht selbst kochen muss. Da frage ich mich ernsthaft, in welcher Realität bitte diese Aussage stimmt. Muss schön sein, da drüben… 

Diesen und ähnlichen Bla könnte man jetzt über mehrere Seiten auswalzen, garniert mit dem besinnlichen Kitsch weihnachtlich geschmückter Häuser, Vorgärten, Tannenbäume…

Nene, liebe Zeitungen, die Weihnachtsrealität sieht doch ganz anders aus. Da, wo ich wohne, muss bereits im September per Losverfahren bestimmt werden, wann wer seine obligatorischen Besuchszeiten bekommt. Da ist nicht nur gutes Timing gefragt, auch einen Stressbewältigungskurs sollten Sie vorher absolviert haben. Je größer die Familie, desto schlimmer das Gehetze. Und wagen Sie ja nicht, irgend jemanden auszulassen. Daran erinnern sich besonders alte Tanten noch Jahre später schmerzlich.

Backen: Gemeinsam mit Kindern backen ist schön – wenn danach jemand anderes als Sie die Küche aufräumt. Gemeinsam ohne Kinder backen ist viel schöner. Noch besser: Kaufen Sie Kekse. Erfahrungsgemäß ist es ohnehin egal, ob Sie tagelang am Ofen gestanden und sich die Seele aus dem Leib gebacken haben: Die Kekse sind sowieso innerhalb von 15 Minuten aufgefressen. Ach ja: Die Küche machen am Ende trotzdem Sie sauber.

Kochen: Man wird von Ihnen erwarten, dass zu Weihnachten mindestens eine Gans auf dem Tisch liegt. Gerupft, ausgenommen, wieder gestopft, gegart. Und lecker sollte sie bitte auch noch sein. Dass Sie neben den Vorbereitungen für den toten Vogel keine Zeit für die Beilagen haben, wird Ihnen übrigens nicht verziehen. Zum Glück muss heute der Rotkohl nicht mehr selbst gehobelt werden. Und auch Kartoffelklöße kann man fast fix und fertig im Kühlregal finden. Machen Sie sich nicht den Stress und bereiten Sie das selbst zu. Der Vogel wird Sie genug fordern. Außerdem isst ohnehin jeder nur das Fleisch. Alle wollen Beilagen, aber essen tut sie keiner. Ach ja, noch ein Tipp am Rande: Keulen und Flügel werden bitte vor der Mahlzeit ausgelost. Am Ende gibt es sonst nur Tränen und der Vogel liegt unter dem Tisch (die Katzen wird es freuen).

Weihnachtsbaum: Wenn Sie Glück haben, ist das Aufgabe des Hausherrn. Mit Pech haben Sie sich die Arbeit irgendwann aufgebürdet – damals, als Sie den Kindern noch weismachten, das Christkind würde den Baum schmücken… Auch wenn der Familie mittlerweile klar ist, dass das Christkind gar nichts macht (der Weihnachtsmann übrigens auch nicht), bleibt das Baumschmücken an Ihnen hängen. Traditionell wird so ein Baum auch erst dann geschmückt, wenn die Bescherung kurz bevor steht: Also irgendwann nach dem Mittag- und vor dem Abendessen. Da hat ja jeder Zeit, nicht wahr…

Wenn Sie es dann geschafft haben, auch noch alle Geschenke wiederzufinden, die Sie im Haus vor Mann und Kind versteckt haben, haben Sie sich auch etwas verdient: Gehen Sie ruhig um 8Uhr ins Bett.

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5 Kommentare zu “Oh du stressige…

  1. Flohnmobil sagt:

    Soooo viel Aufwand, um eine Gans standesgemäss zu kremieren? 😆
    Trotzdem: ein möglichst stressfreies, nervenschonendes Fest wüscht
    Bea

  2. blubberball sagt:

    jetzt lieg ich unterm Schreibtisch *rofl*
    also wir haben uns räumlich so weit von der Familie entfernt, das wir nur noch Schwiemu bewirten müssen (das aber dann drei Tage)
    Das mit der Katze und der Gans macht der Katze auch nur solange Spaß, bis sie das ganze fettige Gedöns wieder rückwärts kaut. Wer sauber macht, ist ja wohl keine Frage 😉

    Frohe Festtage wünscht blubberball

    PS: Danke für die Erinnerung an die Geschenke. Ich bin dann jetzt mal auf der Suche.

  3. wahnsinn sagt:

    wegen der Katze ist hier dieses Jahr glaube ich sowieso nichts los…..
    Ich habe einfach nichts geschafft und wegen der hohen Kosten für die OP:
    fast keine Geschenke für die Jungs, für die Erwachsenen schon grad gar nichts und nicht mal Glaskugeln am Baum. Auch wieder wegen der Katze…..

    Zu Gast hier ebenfalls „nur“ Schwiegermutter…. zwar nur einen Tag (bei dreien würde ich mich glaub ich umbringen) aber das reicht!!

    Alles andere lässt sich überleben. Von daher:
    Heute Abend noch schnell die paar wenigen Geschenke einpacken und morgen (schulfrei) dürfen die Jungs den Baum schmücken.

    Also fast kein Stress mehr für mich. Den hatte ich bis ca. gestern. Ab heute läuft alles relativ ruhig hier im Hause 🙂 .

  4. Stef sagt:

    Hach, Frau Müller, so begeistert, wie sie über Weihnachten schreiben… werden Sie von der Weihnachtsmannindustrie gesponsert? Da freue ich mich doch so richtig auf meine Festtage – ohne Backen, ohne Kochen, ohne Baum. 😉

  5. Wolfram sagt:

    Hier weder Gans (nicht mal Foie gras, wenn mich die Pfarrfrau nicht kalt erwischt) noch Weihnachtsbaum. Ich würde es ja mit der alten Tradition halten, ein 40cm-Bäumchen unter die Decke zu hängen (so in Straßburg auf Bildern um 1850 belegt), aber in den Beton krieg ich keinen Haken: entweder bricht der Bohrer ab, oder die Decke bröselt handtellergroß weg. Sie gehört mir nicht, also – Finger weg…

    Und wie ich schon öfter sagte: das Gartenhaus mit Glockenturm kann mit einem schönen Baum aufwarten, der mit seinen vier Metern dort auch eher klein wirkt; wer einen sehen will, geht halt rüber. Ist aber kalt da.

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