Kehraus…

Kehrwoche nennt man es. Manche kennen es auch als Hauswoche oder Straßenwoche. Gemeint ist aber immer das gleiche: Einmal pro Woche hat die Straße vor dem Haus gefegt zu werden. Wer in einem Mehrfamilienhaus wohnt, ist zudem zum Reinigen des Treppenhauses verpflichtet. So ein Spaß hört auch dann nicht auf, wenn man glücklicher Besitzer eines Eigenheims ist. Dann darf man die eigenen Treppen zwar wischen, wann man will, das Fegen der Straße ist aber trotzdem ein Termin, über den von allen Seiten mit Argusaugen gewacht wird. Glauben Sie mir: Die Nachbarn sorgen schon dafür. Und wenn sie bei Ihnen klingeln müssen.

Damals, in der Zeit nach dem Studium, als ich – frisch in den Süden gezogen – die erste eigene Bude bewohnte, klopfte der Vermieter regelmäßig an der Tür, um mich an meine Pflichten zu erinnern. Hatte er gute Laune, stellte er mir einfach Besen und Eimer hin und verschwand wieder. Bei schlechter Laune gab es noch einen Monolog obendrauf. Nun habe ich mich bezüglich meiner Mieterpflichten immer für äußerst akkurat gehalten. Mein Vermieter sah das anders. War die Treppe am Samstag nicht bis 12Uhr gefegt, gewischt und beduftet, konnte ich mit der Sicherheit eines Amen in der Kirche das Klingeln an der Tür erwarten. Die Tatsache, dass junge Leute am Freitag abend feiern und deshalb Samstags ausschlafen müssen, galt lediglich als Beweis meines liederlichen Lebenswandels und nicht als Ausrede.

In Wohnung Nummer 2 sah man das Ganze etwas entspannter. In dem Sechsgeschosser hatte jeder nur bis zum Treppenabsatz der Wohnung unter ihm zu putzen. Je weiter oben man wohnte, desto sauberer waren die Treppen, so dass bei dem Mieter der Dachgeschosswohnung (mir) nicht weiter auffiel, wenn mal 2 Wochen nichts gemacht war. Und das war mein Glück.

Mittlerweile sind wir stolze Häuschenbesitzer. Aber auch das hält uns nicht von den Freuden der Kehrwoche fern. Hier wird zwar nicht an der Tür geklingelt, wenn der Weg vor dem Haus mal oll aussieht. Dafür gibt es spitze Bemerkungen über den Gartenzaun hinweg. Diese zielen besonders gern darauf ab, wie verlottert die heutige Jugend sei und dass damals alles besser war. Wenn wir Glück haben, regnet es und spült den Dreck ein Haus weiter. Da ist es praktisch, dass das Haus auf einem leichten Hügel steht. Nur das Unkraut, das trotz allem wächst, bleibt wacker stehen, wo es ist. Alle halbe Jahr muss ich dann also doch mal raus. Die Nachbarn machen es sich da viel einfacher. Opa Huber von gegenüber flämmt das Zeug einfach weg. Der Großvater zwei Häuser weiter sprüht Gift. Da bin ich mit meinem Schäufelchen schon ein bisschen altbacken… aber wir sehen uns ja nur halbjährlich…

Advertisements
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in sie.

11 Kommentare zu “Kehraus…

  1. Silberdistel sagt:

    Diese Großväter aber auch immer 😉 Ich, GroßMUTTER, natürlich altbacken – vesteht sich von selbst – nehme auch das Schäufelchen. Aber vielleicht hat das nichts mit dem Alter zu tun, Frauen hantieren vielleicht lieber mit dem Schäufelchel. Oder? Naja, wenn ich so die Krimis ansehe, hantieren ja Frauen wohl eigentlich lieber mit Gift. Seltsam … Wir machen etwas falsch, Frau Müller 😉

  2. Alice sagt:

    Oh da bin ich tatsächlich ganz froh, dass ich mit der Miete sowohl den Hausmeister (zuständig für draußen fegen und Schnee schippen), als auch die Putzfrau (zuständig zwei Mal die Woche das Treppenhaus und die Flure zu wischen), bezahle.

  3. Benedikt sagt:

    Wie schön, dass das hier im Norden nicht ganz so geng gesehen wird. Un zum Thema Treppe: Ich wohne auch im Dachgeschoss und dort ist auch eine zweite Wohnung. Also müssten wir abwechselnd die Treppen nach unten reinigen. Da außer uns keiner den Teil der Treppe putzt haben wir uns auf einen sehr einfachen Putzplan geeinigt:

    Wen der Dreck zuerst stört, der putzt!

  4. Inch sagt:

    Ah, das ist wunderbar, das mit dem Gift und dem Flammenwerfer! Ältere Herrschaften, zu denen ich ja auch fats gehöre, werfen der „Jugend“ ja immer Ignoranz vor und Egoismus. Natürlich nicht direkt mit diesen Worten, aber in diesem Sinne. Und dann giften und flammen sie rum! Und wenn man sie darauf hinweist, dass das ja sehr egoistisch und ignorant ist den kommenden Generationen… haben Sie das mal versucht? Wenn Sie da noch wohnen bleiben wollen, tun Sie es lieber nicht, schnappen sich ihr Schäufelchen und denken sich altbacken ihren Teil

    • Wolfram sagt:

      Och dat Flämmen geht doch noch. Da werden keine Kleintiere von geschädigt, und der Arbeitsaufwand hält sich in Grenzen. Die chemische Keule find ich da weitaus schlimmer.

  5. Manu sagt:

    Wir müssen uns immer anhören: Man merkt, dass ihr „nur“ Mieter seid.

    HALLOOO?! Wäre ich Häuslebesitzer, würde meine Straße genauso aussehen. Man muss ja nicht von ihr essen können, oder?! 😉

    LG

    • Inch sagt:

      Also die Nachbarin meiner Eltern hat einen Teppich in der Garage. Jeden Samstag fährt sie das Auto raus, staubsaugt, und fährt es wieder rein…

      • ichnuwieder sagt:

        omg– aber doch hoffentlich nicht mit dem „guten“, sondern mit dem extra-garagen- staubsauger ;)..

        zum glück gibts hier- norden- keine anfeindungen, wenn der fussweg wie ein fussweg aussieht und nicht wie ein küchenfussboden….
        trotzdem gibts auch hier den nachbarn, der- hochbetagt und eigentlich kaum noch in der lage dazu- jeden freitagnachmittag die einzelnen streben seines zaunes sorgsam abwäscht…

        wems spaß macht………………

  6. Andrea sagt:

    Gut, dass mein Mann das hier nicht gelesen hat. Der stürzt sonst bei nächster Gelegenheit nach draußen und fackelt uns den Garten ab, und das obwohl ihm Unkraut sonst völlig egal ist ;-).

  7. féizào sagt:

    Hier: 32-Parteien-Haus. Immer vier auf einem Stockwerk, das jeweilige Stockwerk soll jede Woche geputzt werden, man ist also alle vier Wochen dran.
    Das wird aber von Stock zu Stock unterschiedlich geregelt. Einige machen es tatsächlich so, der große Rest zahlt pro Monat jeweils 10€ an eine Familie, die putzt dann den Flur. ich bin sehr froh um diese Regelung, auf Flurputzen hab ich echt keinen Bock (zumal bei uns viele ältere Herrschaften wohnen, die haben ja immer eine spezielle Meinung zu dem Thema).

    Um Schnee u.ä.kümmert sich die Genossenschaft. Leider nur bis zum Gehweg. Danach fühlt sich keiner mehr zuständig, die letzten Winter gabs so einige Stürze.

  8. extrafruity sagt:

    Wir haben in unserem Dachgeschoss einen ähnlichen Putzplan wie Benedikt und putzen beide nur sehr unregelmäßig. Es stört auch keinen. Neulich hatten wir eine Mieterversammlung und haben uns darauf geeinigt, dass der Keller auch ab und zu gefegt werden muss. So alle 2 Monate, meinten die älteren Mieter. Wir jüngeren handelten sie auf „alle 3 Monate“ runter. Jetzt habe ich den Plan gekriegt: Ich bin im September 2013 dran mit Keller fegen… Na Hauptsache da denk ich dran! (Habe nicht vor, bis dahin noch in der Wohnung zu wohnen) 😉
    Fürs Schneefegen bezahlen wir einen anderen Mieter. Zum Glück! Das muss ja zu unmenschlichen Zeiten erledigt sein.

Hier Senf dazugeben:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s