Martin zieht um – schon wieder…

Fast hätte ich es ignorieren können, aber die Kindergartentanten waren dann doch ziemlich nachdrücklich. Gestern beim Abholen meiner Brut kommt mir das Kind mit einer Laterne entgegen und ich weiß, dass ich nicht drum herum komme: St. Martinsumzug.

Im Kindergarten wird das generalstabsmäßig geplant, inklusive der Abfrage, ob denn auch ja jeder kommt. Vorzugsweise wird jedes Elternteil mit einer Aufgabe betraut, die es unmöglich macht, den Umzug zu schwänzen. Zum Beispiel müssen Brezeln mitgebracht werden oder jemand verteilt die Liederhefte (damit sich später keiner damit herausreden kann, dass er nicht mitsingen konnte). Ehegatten tragen (ja, sie müssen) gern die Lautsprecher, damit auch der letzte im Zug noch hören kann, was vorne gesungen wird. Achten Sie hierbei mal auf eines: Die in den ersten Reihen sind unerklärlicherweise immer eine halbe Strophe im Text voraus. Wer mir das Phänomen erklären kann, meldet sich bitte.

Herr Müller und ich haben uns dieses Jahr geschickt um jede Aufgabe herumgeschlängelt. Ein Häkchen neben unserem Namen mussten wir trotzdem machen. Wäre ja doof, wenn wir dem Kind einen schönen Abend durch unsere Miesepetrigkeit verderben würden. Schließlich kann ich mich noch daran erinnern, dass mir als Kind die Laternenumzüge immer gefallen haben – vor allem natürlich deshalb, weil sie zu nachtschlafenden Zeiten stattfanden, wo unsereins normalerweise längst zuhause zu sein hatte. Außerdem war es immer ein Balanceakt, die Laternen sicher und unverkohlt ans Ende des Umzugs zu bringen. Damals (wir hatten ja nix), leuchteten die Laternen nämlich noch mit echter Kerze. Heute mit LED und blinkendem zartrosa Herz.

Bei Einbruch der Dunkelheit treffen wir uns nun heute alle und laternen los. Ich kenne kein einziges Lied, aber ich werde sicher eine Mutter finden, mit der ich sinnfrei tratschen kann. Wobei es wieder etwas zu beobachten gibt: Die zuletzt gehenden Familien quatschen am lautesten und singen am wenigsten…

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6 Kommentare zu “Martin zieht um – schon wieder…

  1. Inch sagt:

    Na das mit der Strophe hinterher hat vielleicht damit zu tun, dass die, die den Text nicht können am Ende des Zuges laufen, zusammen mit denen, die am lautesten Tratschen. Da kann man im ersten Fall die Textunsicherheit kaschieren, indem man einfach nachsingt, was von vorn kommt und im zweiten Fall schon mal etwas den (Sing)Anschluss verpassen.
    Na jedenfalls bin ich froh, dass die Kinder schon lange aus DEM Alter raus sind und wünsche Ihnen viel Spaß und dass das Pferd überlebt.
    Das mit den LED-Lämpchen ist aber doof. Und Lautsprecher auch. Klingt irgendwie ungemütlich.

  2. Wenn der Martnszug entsprechend lange ist, hängt die Verzögerung vielleicht auch mit der Schallgeschwindigkeit zusammen 😉
    Könnte man ja vielleicht einmal ausprobieren, wenn es einen physikbegeisterten Flohhüter gibt. Nach der zweiten Strophe laufen dann alle rückwärts – dann müßten ja theoretisch die letzten im Text voraus sein. Und in die generalstabsmäßige Planung lassen sich noch Omas, Tanten, Onkel, Nachbarn usw. einbeziehen 😛

  3. Manu sagt:

    LAUTSPRECHER?? Gab es bei uns nie. Wer hinten lief hatte halt Pech. 😉

    LG

  4. Maini sagt:

    Uns trifft es ja dieses Jahr auch. Zum ersten Mal. Allerdings sollen die kleinen Kinder (unter vier) – ergo wir – nicht mitlaufen, sondern am Rand stehen und winken. Der Zug geht wohl eine Stunde, und die Kleinen kønnen dann schon frueher in den KiGa, wo sich spæter dann alle treffen. Ich kenne kein einziges Lied – habe ich St. Martin ja auch noch nie mitgemacht. Wir duerfen also gespannt sein. Voraussetzung: der Jr. schlæft in der næchsten Stunde nicht ein.
    Btw: laut Erzieherin ging es letztes Jahr etwas schneller, da die Kapelle im Ruecken so laut war, dass man vorne etwas zuegiger lief um dem Lærm zu entkommen. Vielleicht klappt es ja dieses Jahr auch so. 😉

  5. Frau S. sagt:

    Pulverfass Martinszug…
    Sieben und Neun hatten keine Lust auf den von der Grundschule organisieren Laternenzug. „Das ist Babykram“, meinten sie. Und singen kommt sowieso nicht in die Tüte. Wir waren nicht bös‘ drum. Aber mit der einen oder anderen Mutter hätte ich schon gerne getratscht. (-:

  6. Wolfram sagt:

    Wir hatten schon als Kinder Lampenstäbe mit Batteriegriff und einem kleinen 3V-Birnchen, das vorn am Kabel hing; meine Mutter wollte auch keine brennenden Laternen sehen. Und wenn ich an das Geheul denke, das so eine sich im holocaustos verzehrende Laterne anstiftet, hatte sie sicherlich recht.
    Blinklämpchen allerdings gehen ja mal gar nicht!

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