Ab mit der Hecke…

Unser Garten erscheint mir neuerdings so groß. Man kann bis an den Horizont schauen und nicht nur bis zur Hecke des Nachbarn. Außerdem ist mein mühsam angelegtes Schattenbeet nun ein Vollsonnekandidat. Und all das nur, weil die Nachbarn sich entschieden haben, ihre einstmals 4 Meter hohe Hecke zu stutzen.  Gestern begrüßte man mich in meinem Hinterhof mit den Worten: „Sie habe ich ja überhaupt noch nie gesehen!“, was ich erst mit einem ziemlichen Schreck, dann mit einem „Das kann ich aber zurückgeben.“ beantwortete. So kann es sein, wenn man sich jahrelang in alle Himmelsrichtungen gegen seine Nachbarn abschottet. Da entdeckt man plötzlich, dass die Welt doch ein bisschen größer ist als der eigene Garten.

Nun weiß ich, ehrlich gesagt, gar nicht, ob ich mich mit der neuen Situation anfreunden will.  Der  Hinterhof war so schön ruhig und grün und schattig – ganz gemütlich eben. Außerdem musste ich da nicht so häufig den Rasen mähen, weil ja eh kein Mensch sehen konnte, wie es um die Flora bestellt war. In der Hinsicht haben hohe Hecken einen Daseinsberechtigung im Garten. Und nun gucken wir direkt auf Nachbars nagelscherengestutzten Golfrasen. Da kommt man doch automatisch in Zugzwang…

Angeblich, so sagte man mir, war die Hecke auch nur deshalb so hoch, weil man viele Jahre lang Seite an Seite mit einem unliebsamen Nachbarn zusammenlebte. Und weil man den irgendwann nicht mehr angucken wollte, ließ man das Haus einzäunen mit etwas, das immergrün und schnellwachsend ist. Problem gelöst.

Offensichtlich haben sich die Gemüter im Laufe der letzten Jahre aber soweit beruhigt, dass die Nachbarn sich nun entschlossen haben, doch mal Einblick auf ihr Grundstück zu gewähren. Und da stehen wir jetzt – haben neue Nachbarn, die seit sechs Jahren neben uns wohnen und Sonne im Hinterhof.

Man ist ja im Alter nicht mehr ganz so flexibel. Mal schauen, ob wir uns an den neuen Anblick gewöhnen können…

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7 Kommentare zu “Ab mit der Hecke…

  1. Benedikt sagt:

    …wünsche Euch, dass Ihr Euch nicht nur an den Anblick, sondern auch an den Nachbarn gewöhnt. Vielleicht bringt er Frau Müller ja das „am Gartenzaun quatschen“ bei. 😉

  2. sanetes sagt:

    Also Leute, die 6 Jahre lang nicht über oder um die Hecke schauen, sind wahrscheinlich nicht besonders neugierig.

    Aber der Golfrasen ist ein Problem. Na ja, wenn Ihre Flora nicht gefällt, lassen die Nachbarn die Hecke wahrscheinlich wieder wachsen.

  3. Inch sagt:

    Zur Not können Sie ja auch eine eigene Hecke pflanzen

  4. Doktor Peh sagt:

    Je nach Intimität mit Ihren Nachbarn könnten Sie sich ja entscheiden, Birken zu pflanzen. Die wachsen schnell, geben Schatten und schmeißen einen Haufen Dreck und Setzlinge im Frühsommer. Nachbars Golfrasen ist nach einer Saison dann eher eine kleine Baumschonung, wenn er mal länger in Urlaub ist.

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