Ballett… jetzt aber schnell…

Letztens ist mir etwas ganz Gruseliges passiert. Im Kindergarten. Da stellt sich die Mutter der kleinen Anabell(e?) hinter mich und raunt: „Der vierte Geburtstag naht. Haben Sie schon über Ballett nachgedacht?“ Einigermaßen verwirrt drehe ich mich um. Was hat ein Geburtstag mit Schwanensee zu tun?

„Ab vier fangen die Auswahlgruppen an.“ höre ich und es schwingt Vorwurf über so viel Ignoranz in der Stimme. Mein Blick schweift über rosa Klein-Anabell, die sich gerade wenig ballettlike darum müht, Straßenschuhe gehen kleine rosa Hausschühchen zu tauschen.

„Unser Kind hat bisher kein Interesse an Ballett angemeldet.“ nuschle ich und fange mir den zweiten vorwurfsvollen Blick ein.

„Ich weiß nicht, ob Ihr Kind das entscheiden kann.“ höre ich. „Das müssen Sie früh fördern. Das müssen Sie forcieren, sonst holt das Kind den Nachteil nie wieder auf.“

Jetzt ist Mitleid im Blick und spätestens jetzt ist es auch an der Zeit, sich wie eine schlechte Mutter zu fühlen. Da haben wir schon das mit dem Krippen-Englischkurs nicht auf die Reihe bekommen, dann bei der musikalischen Frühförderung geschlampt und jetzt geht uns auch das motorisch Elegante durch die Lappen… vielleicht können wir das Defizit später beim Kurs „Kleine Philosophen“ wieder aufholen. Der fängt irgendwann im Sommer an…

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25 Kommentare zu “Ballett… jetzt aber schnell…

  1. Tanni sagt:

    fehlt da nicht auch noch der Automechaniker Kurs, der kleine Programmierer Kurs und mindestens noch Kochen für Köchlein? hmmm aus ihrem Kind wird nie was! *kicher* so sagte man das auch meinen Eltern und ganz ohne Rumtänzerrei hab ichs zum Diplom gebracht *ätsch* ach und wenn se mit 4 noch nicht ihre eigenen Klamotten nähen kann, dann sehe ich sowieso kariert schwarz. 😉

  2. skizzenblog sagt:

    oder vielleicht geige?

  3. Ich dachte, Sie erziehen post-gender-mäßig ein kleines Nerdkind? Sie kann doch sicher schon programmieren, oder? 🙂

  4. Juliane sagt:

    Wieso geht Ihnen denn das durch die Lappen?
    Nix wie hin und die kleine Müller angemeldet!
    Auch meine Mutter hat es damals so gemacht:
    einfach angemeldet, und ich bin dann 16 Jahre dabei geblieben. Freiwlillig!
    Nicht umsonst lege ich noch heute, motorisch gesehen, eine Eleganz an den Tag, die ihresgleichen sucht.
    Also, da bin ganz bei der anderen Mutter, Frau Müller.
    Offenbar macht ihr Kind bis dato GAR NICHTS, außer vor sich hin wachsen!
    Das geht nun wirklich nicht!

    • Frau Müller sagt:

      Ja, es wird Zeit, dass ich mich schäme… Rabenmütter sind was Schlimmes. Ich habe da letztens so ein unheimliches Dossier über Frühförderung gelesen und weiß nun: Wir sind 4 Jahre zu spät dran…

  5. Nadine sagt:

    Willkommen im Club der bösen, bösen Rabenmütter 🙂
    Soll ich Ihnen was sagen? Mit dem 2. Kind wird es noch schlimmer! Wenn Sie (aus Erfahrung klug) weder zum Babyschwimmen, noch zum Babyturnen, geschweige zur musikalischen Frühförderung gehen, dafür aber ihr Kind zur Tagesmutter bringen, um wieder arbeiten zu gehen…DANN bekommen sie dir schlimmsten Blicke, die Sie sich vorstellen können 😉
    Den Stempel werden Sie nie wieder los!
    Allerdings können Kind klein und ich sehr gut damit leben und (ACHTUNG!) dieses Kind singt, tanzt, klettert und ist absolut glücklich. Also keinerlei motorische oder soziale Defizite derzeit erkennbar 😉
    PS: Ich hoffe sehr, dass sich meine Tochter in 2-3 Jahren GEGEN Ballett und Reiten entscheidet und FÜR Fußball, allerdings befürchte ich, dass sich dann Besuch vom Jugendamt ankündigt 😉

    • Frau Müller sagt:

      Ich habe ohnehin vor, das zweite Kind „so nebenher“ großwerden zu lassen. Angeblich geht das ja von selbst, weil man eingesehen hat, dass die ganze Erzieherei eh nichts bringt…

  6. Inch sagt:

    Ich frag mich jetzt auch ernsthaft, womit die kleine Müller ihre bisherigen fast vier Jahre verplempert hat? Etwa mit Spielen? Fantastereien? Kind sein?
    Unglaublich!!!

  7. Anna sagt:

    Ach Frau Müller… ich habe beim Junior frühförderungskurstechnisch ja auch alles versäumt, was man versäumen kann. Nicht mal Babyschwimmen oder Pekip, vom Rest ganz zu schweigen. Und ein Einzelkind ist er auch noch. *seufz* Aber wenigstens habe ich mir eine Kita in einem Brennpunktkiez gesucht, in der ich schon als mustergültige Mutter galt, weil ich überhaupt auf den Elternabenden aufgetaucht bin. 😎

    • Frau Müller sagt:

      Dann haben Sie doch voll den aufoferungsvollen Job, wenn Sie Ihr Kind bei derart prekärer Lage zum aufrechten Gang erzogen haben! Sie haben es richtig gemacht! 😀

      • Anna sagt:

        😳 So habe ich das noch gar nicht betrachtet. Aber… was wissen Sie denn überhaupt… ich meine, Sie schicken Ihr Kind nicht zum Ballett und wer weiß, was da sonst noch im Argen liegt. 😛 [Komplimente werden Sie mir jetzt nie wieder machen, oder? :mrgreen: ]

  8. SusiP sagt:

    Oh Mann, englisch war gestern. Chinesisch muss es sein. Und in dem Alter sind die meisten schon beim 2. Instrument.

  9. Toll, ja, „Auswahlgruppen“?

    Da gibbets dann schon Mini-Assessment-Center-Terror für die Erfolgreichenelite von morgen, ja? Finde ich total super. Echt.

    Geht das auch für Jungs?

    Obwohl… nee. Wenn ich als Nicht-Elfe da nicht hineingeschwebt, sondern -getrampelt komme, mit meinem Kind an der Hand, da hat es ja schon seinen Ruf weg. Wird ihm doch jetzt schon sein „Noch-nicht-Laufen-mit-17-Monaten“ als „du hast wohl die Unsportlichkeit von der Mama geerbt“ ausgelegt… jau!

    Das Patenkind hat das (von der RosaMutter forcierte) Balletttrainig übrigens nach drei Monaten geschmissen, weil das was für „Zicken“ sei. Nur das Tutu, das will sie nicht mehr ausziehen. 😉

  10. Doktor Peh sagt:

    Konnten Sie nicht kontern mit „Aber fürs Ballett hat meine doch gar keine Zeit, seit wir sie in »Kreativ morden« angemeldet haben. Wissen Sie, sie kann schon sehr gut mit dem Butterflymesser umgehen, die Katze des Nachbarn hat bestimmt nichts gespürt. Und so haben wir auch ihre unkontrollierten Wutausbrüche im Griff…“?

  11. Anja sagt:

    Frau Mueller,

    Passen Sie bloss auf, was sie dem Kind als Freizeitaktivitaeten anbieten. Aus einmal die Woche Kindertanz (mit diesem so unschuldig klingenden Wort haben sie meine 4jaehrige Tochter damals gekoedert!) wird irgendwann zweimal bis dreimal die Woche Ballett. Und zwar so ganz ohne Tutu. Und schon gar nicht in rosa, da waere meine naemlich gar nicht hingegangen. Und aus der musikalischen Frueherziehung (war an der lokalen staedtischen Musikschule die Voraussetzung, um ein Instrument erlernen zu duerfen, bin ja nicht Kroesus mit Privatlehrermoeglichkeit fuer 3 Kinder – aber erst ab 5 Jahren, so haben Sie also noch nix verpasst!) wurde fuer sie 2 Mal die Woche Orchesterprobe in der Schule plus Einzelunterricht. Und zusaetzlich wuerde sie noch so vieles mehr machen wollen: Schul-AGs, Tennis, … Ich komme mir schon vor wie eine Tiger-Mom – aber eine getriebene, die bremsen, sich dauernd rechtfertigen muss und merkwuerdige Blicke erntet. Das arme Kind! Aber wer bedauert mich?? Ich muss dafuer naemlich voellig unfreiwillig 2 Mal die Woche VOR 6 Uhr aufstehen, das Orchester probt naemlich in der Nullten Stunde. Dabei klammere ich mich des Morgens meist schweigend an meine Kaffeetasse – bin ja noch nicht wirklich ansprechbar um diese Zeit – , waehrend sie singend zur Bushaltestelle taenzelt. Und sogar am Abend vorher freiwillig zeitiger ins Bett geht…

    So kanns also auch gehen. Sagen Sie also hinterher nicht, es haette Sie niemand gewarnt!

    PS: Meine beiden Jungs lassen es gemuetlicher angehen…

  12. mama007 sagt:

    Frau Müller, ich bin entsetzt – aber ich hatte bei Ihnen auch nichts anderes erwartet!
    Was ist mit Yoga, Musik (GEIGE!!!!!), Chinesisch (Russisch geht auch)?
    Aus dem Kind wird einfach nie was werden.
    Ich grüße Sie….. Mama007

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