Morgens halb neun…

Kennen Sie das? Sie watscheln morgens zur Arbeit, noch im Zustand zwischen Schlaf und Wachsein und sind per se froh, dass Ihr inneres GPS auch ohne Zutun der Großhirnrinde den Weg ins Büro findet. Was Ihnen jetzt noch fehlt, ist die obligatorische Frühstückssemmel vom Bäcker um die Ecke. Da kennt man Sie schon und weiß auch ohne, dass Sie sich vernehmlich artikulieren können, was Ihr Begehr ist.

Während die Bäckersmaid nun Ihr Frühstück in eine Tüte packt und Ihnen dabei Belangloses von gestern erzählt (Sie kennen sich mittlerweile so lange, dass das als Einkaufsfreundschaft durchgeht), legt sich plötzlich etwas Schweres auf Ihre Schulter und jemand sagt „Moin!“ in Ihr rechtes Ohr. Sie wenden sich der Stimme zu, erkennen vage einen großen Typen mit Bart und schütteln die Hand ab. „Alles klar?“ will die Stimme wissen. Sie nicken. Dann nuscheln Sie noch ein „Grüß Gott!“, bezahlen Ihr Frühstück und schwimmen weiter Richtung Büro.

Den Typen haben Sie zum Glück abgeschüttelt. Zur Sicherheit schlagen Sie noch ein paar Halbschlafhaken und biegen drei Minuten später in die Straße ein, in der sich Ihr Büro befindet. Während Sie noch einmal herzhaft gähnen, entdecken Sie durch den (gähntypischen) Tränenfilm über Ihren Augen, dass der Typ von eben doch schneller war als Sie. Sie schlurfen an Ihm vorbei, weil er netterweise die Tür aufhält. „Und alles gut?“ will er schon wieder wissen. Sie brummen und halten die Brötchentüte fest. Nur zur Sicherheit, falls er die im Auge hat…

Während Sie noch den Schlüssel suchen, stellen Sie mit leichter Verwunderung fest, dass der Mensch mit dem Bart sich an der Tür zu schaffen macht. Das darf doch nicht… Aber dann fällt´s Ihnen ein: Das ist der Neue, der Anfang des Monats angefangen hat. Sie entschuldigen Ihren Aussetzer mit: „Beim Friseur gewesen? Ich hab Sie gar nicht erkannt!“ und hoffen, dass das als Argument durchgeht.

Der ist einfach noch nicht lange genug dabei, um in der morgendlichen Halbschlafsicherungsdatei „Personenerkennung“ aufzutauchen. Ich muss die mal aktualisieren…

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7 Kommentare zu “Morgens halb neun…

  1. Inch sagt:

    Nee, kenne ich nicht. Dafür sehe ich manche Kollegen nur im OP. Und die erkenne ich dann an anderen Orten, quais in Zivil, so ohne OP-Klamotten, zu jeder Tageszeit NICHT

    • Frau Müller sagt:

      Na mit Berufsverkleidung kann ich mir das absolut vorstellen.
      Nur unsereins erkennt die immer zivilen Kollegen aus dem Büro nebenan nicht… aber ich habe mir vorgenommen, dass mir das jetzt nicht zu denken gibt, nein nein…

  2. Alice sagt:

    HERRLICH 😀 Aber morgendliches Getatsche geht gar nicht.

  3. Vorigen Freitag stand mir in der Kantine jemand gegenüber, dem mein Gehirn ein „Kenn ich“ zuorndete. Ich grüßte ihn also freundlich und bekam ein freundlich grinsendes „Du erkennst mich nicht. 😉 “ zurück. Es dauerte nur wenige (peinliche) Minuten, bis mein Gehirn ein Ergebnis für mich hatte: „Das ist XY, ein netter Kollege von ABC, der Firma in der ich vor 10 Jahren gearbeitet habe und die 400 km entfernt ist.“ Ich finde, so etwas auf nüchternen Magen sollte verboten werden. 😉 Wenn er schon plötzlich hier auftaucht, müsste er zumindest ein gut sichtbares Namensschild tragen. 🙂

  4. persephone sagt:

    Dafür hab ich die ultimative Antwort: „Sorry, bin noch nicht richtig wach, denn ich hatte noch keinen Kaffee!“ – Das kann jeder nachvollziehen und hat dann gleich Mitleid.

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