Namensfindung…

Jana und Lukas haben ein Kind bekommen. Vor einem Jahr haben sie geheiratet, nun ist ihr Baby geboren. Als verantwortungsvolle Eltern wollen Jana und Lukas dem Kind einen guten Namen geben. Es soll weder Kevin noch Chantalle heißen. Aber auch  eine Hanna(h), Sofie oder ein Max soll es nicht werden, denn das ist den beiden zu spießig. Nun grübeln sie, wie man so ein Baby heute nennen kann.

Cool sollte der Name sein. Und individuell. Er sollte sich also aus der Masse herausfiltern lassen wie die Mohnblume im Weizenfeld. In nicht unüblicher Manier greifen Eltern bei solchen Fragen gern auf Namen aus dem Englischen Sprachraum zurück. Der ist nämlich groß genug (also der Sprachraum), um sich etwas herauszupicken, das cool, selten, individuell und kosmopolitisch ist.

Auch Stars und Sternchen machen das gern. Die nennen ihre Kinder dann ungestraft Peppermint Sunshine oder Brooklyn Hawaii und Jeremias Gonzales Käsebrot. Und so etwas färbt natürlich auch auf den Normalbürger ab. Wenn Kinder anderer Leute wie eine neue Kaffeesorte heißen, darf man das selbstverständlich auch. Das zeugt von der unendlichen Kreativität und Lebenslust der Eltern und kann sich nur positiv auf das Kind auswirken.

Merken Sie sich bei dieser Strategie aber bitte eines. Achten Sie bei der Wahl des Namens bitte wenigstens auf den Klang. Sprechen sie Vor- und Nachname laut aus, bevor Sie ihn beim Standesamt eintragen lassen: Mit Pech heißt Ihr Kind am Ende nämlich Moesha Schmidt oder Sylvester Schröder.  Und es muss sein ganzes, langes Leben damit klar kommen, dass es heißt, wie es heißt. Und vergessen Sie auch bitte das nicht: Die richtige Rechtschreibung. Sonst wird ihr Kind, sobald seine Kumpels lesen und schreiben können, möglicherweise keinen schönen Tag mehr erleben.

Können Sie das verantworten?

An dieser Stelle möchte ich den armen Wurm einer Bekannten anführen, der tatsächlich biblisch schwer Matthäus Jeremiah  Maier genannt wurde. So ein Name, und das sage ich mit allem nötigen Ernst und Respekt für die Beweggründe der Eltern, wird erst dann tragbar, wenn man selbst 85 ist. Und was macht man mit dem ganzen Leben davor?

Advertisements

26 Kommentare zu “Namensfindung…

  1. Irgendwo aus der Zwitscherwelt drang letztens folgender Rat zu mir: Wann immer einem im Bekanntenkreis ein Neugeborenes mit den Worten „Das ist unsere … (Sahara, Chiarina, Melody usw.)!“ präsentiert wird, einfach antworten mit „Ach, genau wie diese berühmte Pornodarstellerin?“

    Dies beinhaltet jedoch einen gewissen Grad von Selbstoffenbarung und man sollte vorher gut überlegen, ob man Wert auf weiteren Umgang mit diesen Bekannten legt.

  2. Tanni sagt:

    Statt Matthäus hätt ich dann aber doch lieber den Johannes genommen…Raffael ginge ja auch noch und wenns exotisch sein soll dann bitte hawaiian 🙂 oder indianisch oder oder… wenns schon biblisch sein muss dann Adam. Ich derweil bin verwirrt von all den Modenamen weil sämtliche Leuts ihre Kinna so nennen und ich nicht mehr durchblicke wer jetzt Kira, Leo, Lea, Greta. Lena, Anna-Lena und Laura ist *schweiß-abtupf* EY KIND KOMM HER !!…klappt imma! hihi

  3. Frau Maus sagt:

    Also. Ich hatte mal eine Kommilitonin, die hieß da SUSANNE SORGE.

    Ich fand das sehr schön.

    Susanne war nicht gerade das hellste Sternchen am Firmament, weshalb wir sie neckisch SUSI SORGLOS nannten.

    Ich hoffe, sie hat erfolgreich geheiratet.

    Meine aktuellen Spielplatzlieblinge aber sind „Kimbali“ und „Dschäiden“, die voll und ganz „Kimberley-Jolie“ und „Jaden-Marc“ heißen, was ich natürlich deshalb weiß, weil das Auto immer neben dem Spielplatz parkt. Und die Mutter? Die ist eine Chantal. Echt jetzt. Und wenn die Schantalle in voller Lautstärke „Kiiiiiimmmmballli“ über den Spielplatz brüllt, weil das Schätzchen mal wieder andere Kinder von der Schaukel schubst, dann stellen sich mir die Nackenhaare auf.

    • asty sagt:

      ach jetzt hab ich Susi Sorglos mit Susi Sauber verwechselt, das ist so eine Putz- und Aufräum-Hilfe…..

      Aber wenn man Susi Sorglos googelt, dann kommt da erstmal ganz viel von Otto Waalkes und auch sonst ist sie recht erfolgreich, sie musste also gar nicht heiraten 😉

      gruss
      asty

    • Frau Müller sagt:

      Sagen Sie nix, ich kenne eine „Kimbalie“ und genug Jadens laufen hier auch rum. Nur Chantalles werden langsam rar…

    • Frau Müller sagt:

      Das ist mir aber ein besonderes „Aua, aua“ wert….
      Womit auch bewiesen ist, am Ende darf man als Eltern doch, was man will. Man muss sich nur weit genug nach oben klagen…

  4. Inch sagt:

    Letztens beglückwünschte ich eine junge Mutter zur Namenswahl,nicht zuletzt, weil sie mir die Chance bot, mir den Namen ihres Sohnes, Jacob, merken zu können. Als ich nämlich vor einer Woche am Lilienstein mich erbot, die betreuungsbedürftigen Kinder, also die, die schon laufen können bis die ungefähr 5jährigen, zu beaufsichtigen, so dass deren Eltern entspannt und paarweise klettern können, hatte ich derer 8. Zwei Namen, Charlotte und Mira, konnte ich mir auf Anhieb merken, Ruth war zwar ungewöhnlich aber auch merkbar. Die anderen 5 Namen … es ist sehr schwierig, Kinder, deren Namen man ständig vergisst, daran zu hindern, dass sie über eine Felskante purzeln

  5. Anna sagt:

    Ganz besonders gern mag ich die Bindestrich-Namen. Vor allem, wenn die Namensgeber auf eine vollständige Verwendung desselben bestehen.
    Also Annabelle-Zoë oder Joshua-Maximilian oder ähnliches. Das Kind ist schon dreimal auf die Straße gelaufen, bevor man den Namen fertig gerufen hat.
    … uff …

    • Wolfram sagt:

      Es gehört zu den Eigenheiten eines Bindestrich-Namens, daß man ihn vollständig verwendet. Anderenfalls wären da keine Bindestriche (vgl. zu-Guttenberg :P)

  6. Manu sagt:

    Also den Matthäus Maier finde ich jetzt gar nicht soooo schlecht. Das Kind wird ja wohl hoffentlich nicht immer mit dem vollen Namen gerufen?! Matthäus Tscheremaia Maier ist wirklich gaanz übel.

    LG

    • Frau Müller sagt:

      Nix Tscheremaia! Die Kindseltern bestehen auf dem althergebrachten Jeee-reee-miii-aaaaaaah. Und natürlich wird der Name voll genannt, man vergibt ja nicht umsonst Doppelnamen!

    • Wolfram sagt:

      Matthäus Maier ist hochpolitisch!

      Aber warum den hebräisch-griechischen (sprich: hebräischer Ursprung, griechische Verformung) Jeremia, den guten alten leidenden Propheten, denn nun auf englisch aussprechen? Das ist doch wie eine große Fahne „hallo, ich bin Proll“…
      (Andererseits, wer wirklich was auf sich hält, nimmt die Urform und nennt sein Kind Jirmjahu.

  7. AnGarasu sagt:

    Meine Nichten (allerdings um drei Ecken) heißen Vivien-Joy und Samantha-Sky. Das hätte man von den Eltern, wenn man sie denn kennt, echt nicht erwartet.

    Aber am besten sind immer noch die (ausgesprochenen) Namen Üffes, Jammes und Noffrättättä. Drei mal dürft Ihr raten, wie die Namen geschrieben werden. (Der letzte Rufname gehört übrigens vor den schwäbischen Nachnamen „Häberle“.)

  8. […] Müller vom herrundfraumueller-Blog hatte vor etwas längerer Zeit schon einmal einen Beitrag über Namensfindung veröffentlicht. Der Beitrag war nett und schön und überaus interessant. Aber nun frage ich mich […]

Hier Senf dazugeben:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s