Hamma nich, sowas…

Er findet die Handtücher im Schrank nicht.

Ist beim Opa genauso – Oma schickt ihn Hemden holen, er macht den Schrank auf, guckt rein, macht den Schrank zu und sagt „Liegt da nicht.“

Wie kann es sein, dass ein Mann in stockfinsterer Nacht noch mit verbundenen Augen im peruanischen Dschungel ein verschollenes Basislager aufstöbert, aber keine Socken in der Sockenschublade sieht? Wie kann es sein, dass er schwört, genetisch mit einem GPS ausgerüstet zu sein, aber trotzdem behauptet, der Schrank da enthielte gar keine Krawatten? Und erklären Sie mir das jetzt bitte nicht evolutionstheoretisch mit den Beeren und Käfer sammelnden Urfrauen, auf lange Wanderschaften gehende Urmänner und der Tatsache, dass alles, was kleiner als ein Gnu ist, für den Mann in Unsichtbarkeit verschwindet. Das kann ich nicht gelten lassen. Auch die angeblich weniger differenzierte Farbwahrnehmung des männlichen Individuums kann kein Grund dafür sein, dass Socken unsichtbar werden, wenn Mann sich der Schublade nähert.

Ich bemühe oft den Satz „Schau mit den Händen!“ und meine damit: Schieb mal das Ding da ein wenig nach rechts und das andere nach links und oh Wunder – es wird sich die Erkenntnis offenbaren, dass wir sehr wohl Socken, Taschentücher, Messer, Teller oder Marmelade besitzen. Aber ebenso oft steht Mann dann da und zuckt hilflos mit den Schultern: „Hamma nich.“

„Wenn ich da jetzt hinkomme und das Ding steht da, gibt´s Ärger!“ versuche ich es auf die liebevoll sanfte Art. Aber auch ein zweiter Blick in den Schrank kommt zum Ergebnis: „Ne, hamma nicht!“ Ich will Ihnen ersparen, was ich erblicke, als ich den Schrank öffne….

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19 Kommentare zu “Hamma nich, sowas…

  1. Penelope sagt:

    Jep! Nicht zu glauben, aber so isses! Irgendeine Spezialart von Wahrnehmungsstörung? Und wann setzt die eigentlich ein? Ist das bei kleinen Jungs auch schon so? Ein weites Forschungsfeld! Picasso hat zwar nach seinen eigenen Aussagen auch nie gesucht, sondern immer nur gefunden – aber wohl nur das, was ER wollte! 😉

  2. Maracaya sagt:

    Das Kind hier wohnt ja nun auch schon anderthalb Jahre bei uns, und schon vor seiner Geburt wurden Schlafanzuege und -saecke in einer bestimmten Schublade verstaut und seitdem dort (in der jeweils aktuellen Groesse) aufbewahrt. In den anderthalb Jahren habe ich des Kindes Papa schon desoefteren gezeigt, wo die Schlafanzuege liegen.
    Trotzdem schwor er gestern (ich war unterwegs und der Schlafanzug vom Vortag morgens in die Waesche gewandert) mal Stein und Bein, das Kind haette keine Schlafanzuege. Er haette alles durchsucht.
    Hatte er auch, wie der durchwuehlte Zustand ALLER ANDEREN ausser der betreffenden Schublade offenbarte.
    Maenner halt.

  3. anna sagt:

    Falls Sie darauf bestehen, dass diese reversible selektive Blindheit geschlechtsspezifisch ist, dann bitte ich um die Kontaktdaten des Anbieters aus dem vorherigen Post — offensichtlich muss ich diverse Körperteile nachinstallieren, modifizieren oder entfernen.

    Für plausibler halte ich allerdings die Existenz von kleinen Haustrollen mit zweifelhaftem Humor, die sich auf Gegenstände setzen und diese dadurch unsichtbar machen. Manchmal kann man sie sogar Kichern hören.

  4. Juliane sagt:

    „liebevoll sanfte Art“??
    Liebvoll sanft verstehen Kerl nicht, Frau Müller!
    Ich persönlich sage zu solchen Gelegenehiten (die immer seltener werden!) lieblos ruppig:
    „Wenn ich da jetzt hinkomme und das Ding steht da, ziehe ich’s Dir übern Schädel!“
    (Oder wahlweise: „Ramme ich’s Dir ins Ohr!“)
    Probiern Sie’s mal!

  5. tibia sagt:

    LOL … ist doch überall das Gleiche …

  6. Inch sagt:

    Hm, letztens stellte ich schon fest, dass ich als Kind eher jungstypisch war. Nun merke ich, ich hab mir etwas jungenhaftes über Pubertät und alle Schwangerschaften bewahrt. Ich stehe nämlich oft genug genau so dämlich blind in der Wohnung rum. Zum Glück hab ich noch das kleine Kind, dass, so wie früher das Große, immer weiß wo alles ist…

  7. hoppelsche sagt:

    Was für ein treffender Post! Spielt sich auch hier zuhause mehrmals wöchentlich ab! Mittlerweile sage ich direkt auch dazu „du musst auch UNTER die Sachen/das Zeugs gucken was dir eventuell den Weg zur Offenbarung des Gesuchten versperren“. Aber das hilft selten. Liegt das Objekt der Begierde nicht im absolutem Sichtfeld des Mannes, ist es schlichtweg nicht da. Herrlich.

  8. Silberdistel sagt:

    Wir haben auch immer alles nicht, was wir doch haben 😉 Wirklich seltsam. Muss ein Gendefekt beim Mann an sich sein 😉

  9. ichnuwieder sagt:

    hahaha..
    genau so!!
    mit sturem blick exakt in die richtung, wo das gesuchte objekt liegt, die fragen: wo sind meine socken, die butter, mein schal..??!!
    noch besser: wo hast du -schon wieder- x y und z hingelegt..(da ist die schuldfrage am nicht-auffinden dann gleich mitgeklärt)

    tunnelblick?? nicht der kleinste zentimeter abweichung darf sein- dann erscheint es offensichtlich im gesichtsfeld des männlichen suchenden nicht….

    und leider ebenso wahr, wie vererblich (wenn ich meinen 18jährigen bengel so beobachte)

  10. Frau Maus sagt:

    Verehrte Frau Müller, ich stelle Ihnen gerne mal mein Exemplar der Suchuntüchtigen vor, das unverschämterweise auch mal direkt vor dem (mit frischer Wäsche) prall gefüllten Wäschekorb steht und fragt:

    „Haben wir noch irgendwo Unterwäsche?“

    Antworten meinerseits wie „Ich weiß, wo ich meine finde“ oder „Frag‘ doch mal deinen Sohn, der kennt sich aus“ werden allenfalls mit einer hochgezogenen Augenbraue quittiert.

    („Schau‘ mit den Händen“ wird in mein Repertoire übernommen, sagenhaft.)

    Neulich suchte mein Exemplar übrigens nach „frischen Socken“ und war entsetzt, als ich ihn auf den Haufen Ungewaschener HINTER dem Wäschekorb hinwies.

    „Mann“ steht nämlich gerne in der einen Ecke des Schlafzimmers, um die getragenen Socken in der anderen Ecke des Schlafzimmers (vermeintlich) mit einem „yeah, dunking“ zu versenken. Von der Quote will ich mal lieber nicht erzählen… Und das Entsetzen bezog sich natürlich nur darauf, dass ICH selbige noch nicht geborgen und gewaschen hatte. Klar doch.

  11. mama06 sagt:

    und ich dachte nur ich hätte so ein Exemplar. Beruhigend das ich nicht alleine bin. Exemplar: Schaaatzzz wo haben wir die Butter? Ich: im Kühlschrank, Spülmaschine ist eher ungeeignet. Er: nein da ist keine. Ich: doch 2 Fach von oben. Er: nein, immer musst du die Sachen umräumen.Ich: wenn ich sie finde bekomme ich einen freien Tag….. Sie ist natürlich da wo sie immer ist, nur den freien Tag bekomme ich nicht

  12. […] der gleiche Mann, der die Socken in der Sockenschublade nicht findet, das Besteckfach öffnet und feststellt, dass man dort die Krümel entfernt hat, dann muss ich mich […]

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