Still…

Es ist nie still. Der Versuch, im Garten ein Buch zu lesen, schlägt fehl.

Draußen heulen die Nachbarskinder. Grund unbekannt.

Ein Auto fährt mit weit überhöhter Geschwindigkeit, aber 2. Gang, durch unsere Spielstraße und macht dabei ein Geräusch wie ein startendes Flugzeug.

Aus irgendeinem Fenster dringt Musik.

Nebenan läuft eine DVD, auch nicht gerade leise, in hochmodernem Dolby Surround mit donnernden Bässen.

Ein Hund bellt. Der ist so klein, dass er es nicht über den Zaun schafft, weshalb er, den Kopf unter dem Zaun durchgestopft, unsere Katze anjapst. Herrchen steht daneben und freut sich. Der Kater gähnt gelangweilt.

Der Briefkasten klappert – jemand wirft trotz des Bitte keine Werbung-Aufklebers Broschüren in den Kasten.

Der Jungspund aus dem Eckhaus fährt mit seinem getunten Polo und ausgelastetem Subwoofer durchs Viertel.

Herr Müller möchte wissen, ob ich zu meinem Kaffee noch etwas möchte.

Ja.

Stille, bitte. Eine Hallig in der Nordsee, Meeresrauschen, Möwenschrei und Wind.

Mehr nicht.

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24 Kommentare zu “Still…

  1. Ich glaube, in D hast Du damit wenig Chancen. Außer eine Familienpackung Oropax wäre eine akzeptable Alternative…?

  2. manchmal helfen ja auch Atemübungen.

  3. Tanni sagt:

    is hier genauso! Die Bälger anderer Leuts kreischen ständig *grrrr* … sonntagliche Ruhe wird von allen ausl. Mitbürgern konstant ignoriert und Rasen mähen am Sonntag soll ja gesund sein??? dann kommen 5 Raben vorbei und krächzen um die Wette und irgendwann reichts…..vielleicht mögen sie mit mir auf meine abgelegene Hawaiianische Insel kommen? Möwen kann ich nicht garantieren aber Meeresrauschen und ein bisschen gezwitscher… also? ich halte den Platz neben mir frei…..möchten sie auch einen Cocktail? wo ich schon mal in die Küche geh…:-)

  4. skizzenblog sagt:

    STILL STILL STILL, WEIL FRAU MÜLLER LESEN WILL

    …endlich ein grund eine solide hörbuchbibliothek anzuschaffen

  5. Ach, Sie haben keine Nachbarn, deren Hund die ganze Nacht kläfft, weil Herrchen und Frauchen Erntefest feiern und vergessen haben, sein Schweigehalsband anzulegen? Mensch, haben Sie das gut!

  6. Meister sagt:

    Zeitung lesen im Garten. Rechts nebenan springt nach etlichen Versuchen der Rasenmäher an. 24 Quadratmeter sind jedoch schnell fertig. In das kratzende Geräusche vom Säubern des ersten Mähers mischt sich das Brummen des zweiten Mähers links, welches nach kurzer Zeit vom Kreischen der Kreissäge gegenüber neutralisiert wird. Das Hundepärchen schräg gegenüber wird animiert, in das Kreisen der Kreischsäge ein Stakkato zu legen. In der nahen Ferne wird die Einflugschneise zum Flughafen Tegel bedient und hinter uns sirrt der Freischneider durch die Hecke. Rechts ist der Rasen wieder frei für den Hund, der – nun ja – freudig den Besuch begrüßt. Komm, wir gehen ein Bier trinken.
    Woanders.

  7. Gertje sagt:

    Also ehrlich, Frau Müller! Ich hatte jetzt gaaaaaaaaanz lange Ruhe. Meeresrauschen, Möwen, Rengentropfen aufs Dach der Jurte, das Schnarchen eines Schweines… besonders letzten Mittwoch hätte sogar ich mir ein plärrendes Kind in meiner Nähe gewünscht, die viel zu laute Musik des Nachbran oder meinetwegen auch den Streit mit seiner Frau. Aber nix. Absolute Ruhe. Auf Dauer, Frau Müller, kann so was auch ein bißchen nervtötend sein. GLAUBEN SIE MIR!!!
    Am Freitag Abend fand ich dann den Autolärm und das Gebrüll der Penner, das durch das Fenster meines Hostelzimmers in Glasgow klang, fast ein bißchen beruhigend.

    • Frau Müller sagt:

      Meinen Sie?
      Ich habs ja gern immer sehr still: Kein Radio, keine überflüssigen Töne aus dem PC, nachts drei Kissen auf dem Kopf… vielleicht probiere ich das mit Ihrer Jurte mal ein paar Wochen aus und dann gucken wir mal. Kann ich aber erst machen, wenn ich von Tannis hawaiianischer Insel zurück bin – in 5 oder 6 Monaten!

      • Magenta sagt:

        Sie legen auch Kissen aufs Gesicht? Gott, wie mich das beruhigt. So viele Jahre lang dachte ich, ich sei allein mit dieser Macke. Beim einzigen Krankenhausaufenthalt meines Lebens hat die Nachtschwester mir immer panisch den Puls gefühlt…

        • Frau Müller sagt:

          *lacht* Mein damaliger Freund riss mir nachts immer das Kissen weg, weil er dachte, ich bin hinüber…

          Wenn Sie das Kissending auch haben, sind wir schon zu dritt, das ist gut. Drei sind eine Gruppe (wenn auch Rand- ) und somit statistisch relevant. 😉

      • Gertje sagt:

        Gebongt! Ich halte Ihnen die Jurte frei.

  8. Stef sagt:

    Rasenmäher, Einflugschneise Tegel und Laubbläser als Ergänzung hatten wir ja schon. Die LalüLalas könnte ich noch anbieten, und Hundehaufenkehrmaschinen sind auch gerne mal ein temporärer Krachmacher. Vielleicht ein Nachbar, der sich (mehr schlecht als recht) im Karaoke versucht? Das „Rateng“, wenn die Nachwuchshoffnung den Fußball immer wieder gegen ein Garagentor tritt…

    Ach ja, Ruhe ist schon was Feines. Hier im ruhigen Berlin meist zwischen 3 und 4 Uhr anzutreffen. 😉

    • Frau Müller sagt:

      Na, mit Berlin kann unser Rentnerviertel nicht mithalten – zum Glück, möchte ich fast sagen.
      Da hilft dann nur noch Umstellung des eigenen Tagesablaufs, damit man um, 3Uhr nachts sein Buch lesen kann… also in wirklicher Ruhe, versteht sich. Aber nicht einschlafen dabei!

  9. Silberdistel sagt:

    Wenn wir im Frühjahr immer in unseren Urlaubsort in der Rhön fahren, dann heisst das unter uns nur: Wir fahren in unsere Rasenmähergemeinde. Da brummt und summt es ohn‘ Unterlass. Wir würden denken, es ist was Schreckliches passiert, wenn plötzlich Ruhe wäre 😉

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