Frau Müller und die Handwerker…

Wir leben in einem mittelalten Haus. Noch nicht richtig oll, aber auch nicht mehr frisch. Das bringt es mit sich, dass sich hier und da Renovierungslücken auftun. Das Heranwinken der Handwerker nehme gern ich in die Hand. Das hat unter Umständen etwas mit meiner schlummernden hausfraulichen Ader zu tun, nach der alles schick sein muss. Herr Müller hat da kein Auge für…

Nun ist es mir in den letzten Jahren oft passiert, dass ich zwar einen Termin erfolgreich ausmachen konnte, die Herren, die dann zur Besprechung erschienen, aber verwirrt waren, wenn sie mich und nicht den „Herrn des Hauses“ antrafen. Die Heizungsmonteure boten gar an, noch mal wiederzukommen, wenn der Gatte anwesend sei. Wahrscheinlich wollte man mich nicht überfordern oder nahm an, dass man mit mir einfach nicht so schön fachsimpeln könne, weil ich ständig vom Thema abweichen und nach der Farbe der Zulaufrohre fragen würde. Nun, meine Herren, irgendwann in ferner Zukunft wird mal jemand wissen wollen, ob es die Dinger auch in Pink gibt und dann können Sie das bei mir Gelernte anwenden!

Den Vogel schoss der Jungspund einer Gartenbaufirma ab. Die Landschaftsbauer sollten auf dem Grundstück ein paar Baumleichen entsorgen und schickten, während sie schon mal das schwere Gerät vorfuhren, ihren Stift vor. Der klingelte an der Tür, guckte mich mitleidig an und wollte „meinen Papa“ sprechen. Wohlgemerkt war ich damals schon etwa doppelt so alt wie der Azubi. Später entschuldigte er sich wortreich und versuchte es mit dem Kompliment, ich sähe eben so jung aus. Jaja, Menschenkenntnis kann man eben nicht auf dem Flohmarkt kaufen…

Seit das Kind übrigens da ist – und das ist eine äußerst interessante Wendung der Geschehnisse – wird Frau Müller als Verhandlungspartner viel ernster genommen. Machen Kinder kompetent? Oder ist es nur das Starke-Frau-hält-ihrem-Gatten-den-Rücken-frei-Syndrom? Ich muss das mal beobachten… Wahrscheinlich bin ich aber einfach nur energischer geworden. Wer mit einem dreijährigen Kind erfolgreich über ein Nein zu Bonbons als Abendbrot debattieren kann, kriegt auch so ein paar läppische Handwerker in den Griff.

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14 Kommentare zu “Frau Müller und die Handwerker…

  1. Doktor Peh sagt:

    Das mit dem energischen „Nein“ müssen Sie mir mal genauer erklären. Da gibt es hier noch Auffrischungsbedarf.

    Und was die Handwerker betrifft: Sie haben Glück, Ihre Handwerker haben zumindest Basiswissen, nehme ich an. Hier muss man die Fehlersuche selber machen und dann einen minutiösen Lösungsplan vorlegen und jenen bei Ausführung genauestens überwachen.

  2. […] Frau Müller weiß zu berichten. […]

  3. Lilly sagt:

    Ich denke, Handwerker lernen das im ersten Jahr: „Hast Du eine Frau vor Dir, laut und überdeutlich in einfachsten Worten palavern!“ So wie der Heizungsleger sich schon am Telefon zu der Frage hinreißen läßt, ob die Dame evtl. den Stecker der Therme herausgezogen hätte. Den Vogel abgeschossen hat jüngst ein Maurer, der mich nach „Name und Vorname plus schriftlicher Einverständniserklärung (das ich den Maurer beauftragen dürfe) meines Mannes“ fragte.

  4. engelchenfiona sagt:

    genial, ich hab mich gerade echt an meinem nachmittagskaffee verschluckt
    aber ich geh in der schule meines großen auch gern mal als große schwester durch, warum auch immer

  5. anna sagt:

    Nach mehreren erfolglosen Versuchen, die Gärtner des Nachbarn ebenfalls zu verpflichten, konnte besagter Nachbar uns erklären. wieso sich in unserem Garten trotz vermeintlich genauer Absprachen der Urwald nicht lichtete: Einer der Gärtner hat ihn nämlich gefragt, ob seine Nachbarin denn keinen Mann habe, der ihnen endlich mal einen offiziellen Auftrag erteilen könne. Der Mann wäre vorhanden, den Auftrag hat er dann doch nicht gekriegt…

  6. Das ist ähnlich wie Faru in Autowerkstatt oder im Computerladen – ich fühle mit Ihnen.

  7. Meli sagt:

    Ja, bei uns war das mal umgekehrt. Da hat unser zukünftiger Vermieter meinen Mann gefragt: „Hat Ihre Frau einen Wäschetrockner?“. Fand ich ja echt die Höhe.

    Und zum anderen Thema: Wir hatten für ein Jahr ein Au Pair. Das hat sich wohl rumgesprochen und wenn ich am Kindergarten oder auf dem Spielplatz mir unbekannten Eltern begegnet bin, die meine Kinder kannten, bin ich grundsätzlich als Au Pair angesprochen worden. Auch nett. 🙂

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