Felines Urinarium…

„Hallooo, Frau Müller! Ihre Katze hat sich in meinen Garten gesetzt!“

Ich winke dem Nachbarn zu. „Das ist schöhööön!“ rufe ich zurück und will meiner Wege gehen. Lediglich daran, dass Nachbars Gesichtszüge entgleisen bemerke ich, dass mit „setzen“ wahrscheinlich „kacken“ gemeint ist. Ich verlangsame meinen Schritt und ändere die Richtung für ein klärendes Gespräch.

„Na was hatter denn?“ murmle ich so leise, dass Nachbar es hoffentlich nicht hören kann und setze gleichzeitig ein verständnisvolles Lächeln auf. „Sie müssen die Dinge schon beim Namen nennen!“ necke ich beim Näherkommen, aber der Scherz will nicht so recht zünden.

„Auf meinen Rasen!“ zürnt der Nachbar.
„Pipi oder A-a?“ An manche Dinge muss man sich verbal herantasten.
„Na groß!“
„Großes Pipi?“
„Frau Müller!“
Ganz schlecht aufgelegt, der Nachbar… kein Sinn für einen Spaß.
„Schnappen Sie sich das nächste Mal einfach Ihren Gartenschlauch und spritzen Sie die Katze nass!“ schlage ich vor. Nachbar guckt mich an, als könne ich nicht bis drei zählen.
„Bis ich das Wasser aufgedreht habe, ist die Katze doch schon über alle Berge!“
„Dann kann es nur Pipi sein!“ versuche ich zu trösten. „Da ist gut für den Rasen.“ 
„Und wenn wir uns mal auf die Wiese legen wollen?“
„Haben Sie das denn die letzten fünf Jahre schon einmal gemacht?“
„Ja aber vielleicht wollen wir mal…“
„Dann legen Sie eine Decke drunter.“
Er, nun schon leicht genervt: „Frau Müller, Ihre Katze scheißt auf meinen Rasen!“
Ich, deeskalierend: „Aber wir hatten uns doch auf Pipi geeinigt!“
„Frau Müller… Ihre Katze… uri… erleichtert sich!“
Ok, mal nachdenken. „Machen Sie das nächste Mal Lärm, das verscheucht die Katzen auch. Klatschen Sie in die Hände, schreien Sie…irgendwas, nur laut.“ schlage ich vor.
Er, empört: „Damit mich die Nachbarn für bescheuert halten?“
Na irgendwas ist immer…
Ich: „Herr Nachbar, ich kann die Katze nicht einschließen, außerdem leben in der Nachbarschaft geschätzte 15 Felinen, und das ist eine mäßig optimistische Schätzung. Wenn unsere Katze nix auf Ihren Rasen macht, macht es eine andere. Ich kann Ihnen anbieten, morgens einmal Ihre Rasen abzulaufen und die Häufchen einzusammeln.“
Das findet er doof: „Wenn alle auf dem Rasen herumlatschen, geht der kaputt.“
Ich: „Eben wollten Sie sich noch drauflegen!“
„Drehen Sie mir nicht das Wort im Mund herum, Frau Müller!“

Ich merke schon, so kommen wir nicht weiter.

„Was wäre denn Ihr Vorschlag?“ frage ich lächelnd. Man will ja keinen Streit…

Es blitzt diabolisch in des Nachbarn Augen. „Ich könnte mit dem Luftgewehr…“
Ich, ganz schnell: „Aber nur, wenn ich dann auch auf ihre achtmal am Tag den Ball über unseren Zaun schießenden und dann durch meine Beete latschende Kinder…“

Wir brechen das Gespräch ergebnislos ab…

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5 Kommentare zu “Felines Urinarium…

  1. Flohnmobil sagt:

    Schick die müllersche Mieze mal bei uns vorbei. Wir werden ihr Manieren beibringen und sie als wohlerzogenes Stubentigerchen wieder zurückschicken. Dein Nachbar wird sie nicht wiedererkennen. 😉
    Hab mich köstlich amüsiert ab deinem Beitrag.

  2. renosch sagt:

    Oh, der Blog ist interessant (bei Herrn Ast über die Kommentare gefunden – http://skizzenblog.claus-ast.de/?p=8076 ) Den merk ich mir!

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