Maria Dolors Woll-Lust: Mein Fazit…

Jetzt wäre ich endlich durch mit diesem Buch. „Die Woll-Lust der Maria Dolors“. Ich hatte mir den Roman, und das sollte man tunlichst vermeiden, wegen des wunderbaren Titels gekauft, ohne vorher bemerkenswert hineingelesen zu haben. Nun muss ich sagen, dass die erste Hälfte des Buches eine wirklich angenehme Geschichte ist und sich der Roman angenehm liest. Was mich aber wirklich gestört hat… aber von vorn.

Maria Dolors ist eine Frau, die, nachdem sie nach einem Schlaganfall nicht mehr sprechen kann, im Haus ihrer Tochter lebt. Da die Familie sie nunmehr für mindestens senil, ganz sicher aber taub hält, läuft das Leben seinen normalen Gang weiter. Oma sitzt den ganzen Tag in ihrer Ecke im Sessel und strickt, für die Familie ist sie mehr oder weniger ein Möbelstück. Diese Tatsache führt es mit sich, dass Maria Dolors jede auch noch so kleine Regung innerhalb der Familie mitbekommt. Niemand macht sich die Mühe, vor der Großmutter, die ja ohnehin nichts mehr mitbekommt, besonders verschwiegen zu sein, was die eigenen Angelegenheiten betrifft. Und Maria Dolors strickt und beobachtet… und leistet sich nebenher immer wieder gedankliche Reisen in die eigene Vergangenheit.

So weit so gut. Bis hier alles schön. Was in diesem Roman aber Seite um Seite penetranter hervortritt, ist die Tatsache, dass die Autorin mit Klischees nur so um sich wirft. Sie  spart auch gar nichts aus. Magersucht, Bulimie, Homosexualität, Vernunftheirat, ungewollte Schwangerschaften, mehrfacher Ehebruch in allen möglichen Kombinationen, jeder verlässt jeden, schließlich kommt es dann unweigerlich zu einem Mord als dem perfekten Verbrechen. Fast kommt es mir vor, als hätte die Autorin sich nicht entscheiden können, was für einen Roman sie am liebsten schreiben wollte. Das Buch will Liebesroman, Kriminalgeschichte, Entwicklungsroman, Geschichte eines Coming-Outs, Lebensbeichte und Familiendrama in einem sein. Und das ist leider viel zu viel.  Ach ja und am Ende ist dann auch noch ein Pulli  fertig gestrickt…

Sechs Romane in einem, das funktioniert leider nicht. Trotz der wirklich schönen Grundidee…

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2 Kommentare zu “Maria Dolors Woll-Lust: Mein Fazit…

  1. anna sagt:

    Ich kann sogar während eines Schlafanfalls sprechen. Behauptet zumindest mein Mann, der angeblich lange Unterhaltungen mit mir führt, an die ich mich nie erinnern kann.

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