Wieder nicht…

Halloween war dieses Jahr wieder der Burner. Kein Kind da! Wirklich nicht! Wenn man von den zwei Prinzessinnen absieht, die an der Tür geklingelt haben, noch bevor es überhaupt dunkel geworden ist. Tageslichtprinzessinnen gelten nicht! Bitte für die Zukunft merken!

Dabei waren wir äußerst nett: Haben Süßes gekauft, verstecken auch wirklich keinen Rosenkohl in Rocher-Papier und machen uns auch keinen Spaß daraus, Zahnbürsten und Zungenreiniger zu verteilen. Nein: Wir sind auf Horden unterzuckerter Winzlinge extrem gut vorbereitet. Mit gigantischen Schüsseln voller Kariesbomben und einem als Spiderman angemalten Kleinkind.

Und dann das: Nichts. In der kompletten Straße herrscht Totentanz (Achtung Halloween-Wortspiel). Vermutlich hat sich herumgesprochen, dass das Rentnergeschwader in unserer Gegend nicht gut auf Monsterkinder zu sprechen ist. Überhaupt muss man sich in der Hochzeit von Horrorclowns ja ungemein in Acht nehmen. Türen öffnen nach Einbruch der Dämmerung ist da nicht drin! Was es ziemlich sinnlos macht, sich als Kind zu uns ins Viertel zu verirren und nach Süßigkeiten zu fragen.

Das extra einstudierte „Süßes oder Saures? Dann hätte ich gern was Süßes.“ bleibt ungenutzt.

Also kein Halloween dieses Jahr. Auch gut. Essen wir die ganze Schokolade eben selbst. Ist auch viel zahngesünder. Zumindest für die nicht hier gewesenen Kinder…

Nur die Liebe fehlt…

wiegers_liebefehltDie Geburt eines Kindes sollte ein glücklicher Moment sein im Leben einer Frau. Nicht immer jedoch ist er das auch. Manchmal geraten Frauen nach der Geburt in eine tiefe Krise, die sie selbst nicht bewältigen können. Dann ist es nicht der vielbeschworene „Babyblues“, nicht die „Heultage“ mit denen die ersten Wochen der Eingewöhnung in die neue Rolle gern beschrieben werden. Dann ist es mehr – postpartale Depression.

„Nur die Liebe fehlt“ von Petra Wiegers nimmt sich des Tabus „Postpartale Depression“ an. Anhand der Geschichten von vier Frauen werden die unterschiedlichen Facetten postpartaler Depressionen beleuchtet und verständlich gemacht. Die Form narrativer Biographien erleichtert es dem Leser, sich in die Gedankenwelt der Mütter einzufühlen und machen diese spezielle Form der Depression für den Laien verständlich. Denn es gibt sie nicht: „Die“ postpartale Depression. Vielmehr handelt es sich um ein breites Feld oft unspezifischer Symptome, denen man ihre Ursache nicht unbedingt sofort anmerkt: Die Unfähigkeit Nähe zuzulassen, Angstzustände, Zwangsgedanken, Erschöpfung und nicht zuletzt fehlende Muttergefühle sind nur ein kleiner Aspekt dieses vielfach unterschätzten Krankheitsbildes.

Petra Wiegers´ Buch „Nur die Liebe fehlt“ klärt auf und macht gleichzeitig Mut. Es beschreibt nicht nur den Faktor der Depression an sich – besonders die Wege hinaus, hin zum glücklichen Muttersein werden eingehend erläutert.

Nicht zuletzt kommt im Anschluss an die unterschiedlichen Geschichten der vier Frauen stets die Psychiaterin Susanne Simmen zu Wort. Sie erklärt die Ausprägung der Depression jeder erzählten Biographie ausführlich und aus medizinischer Sicht. Diese abschließenden fachlich fundierten Erläuterungen verleihen den Aussagen der betroffenen Frauen im Buch entscheidende Relevanz und tragen wesentlich dazu bei, dass das Erleben der vier Betroffenen stets glaubhaft und nachvollziehbar bleibt.

Petra Wiegers „Nur die Liebe fehlt“
erschienen im Patmos Verlag

Alles neu…

Strom in einen Raum zu bringen, der vorher keinen Strom hat, ist simpel. Man guckt sich die nächstgelegene Steckdose aus, bohrt ein Loch durch die Wand und verzeigt das Stromkabel ins nächste Zimmer. Kein  Hexenwerk. In der Praxis muss das zu versorgende Zimmer allerdings erst einmal leer geräumt werden. Das steckt nämlich, obwohl es bereits vor geraumer Zeit entrümpelt wurde, noch voller Krims, der ein sauberes Verlegen von Stromleitungen unnötig erschwert.

„Das Gerümpel muss aber noch raus.“ sagt denn auch der Elektriker beim Hausbesuch. Ich gucke säuerlich. Der Schrank da ist kein Gerümpel, er enthält Farben und Lacke, die für die Hübschhaltung des Hauses unumgänglich sind. Die Skier brauche wir noch, ebenso den Kinderschlitten. Und die Regale mit den Lebensmitteln sind im Falle der sicher demnächst eintretenden Zombi-Apokalypse überlebenswichtig.

Nichtsdestotrotz hat der Mann recht. Will er Kabel verlegen, braucht er die eine oder andere freie Wand.

„Was soll denn das hier überhaupt mal werden?“ Der Elektriker schaut sich skeptisch um.

„Ein Zimmer.“ sage ich. Ein Fitness-Raum, um genauer zu sein. Alle meine Sportgeräte hausen derzeit im Gästezimmer. Und machen es Gästen mittlerweile schwer, von der Tür zum Bett zu kommen. Was die Idee hat reifen lassen, den bisher ungenutzten Gerümpelkeller zum Fitnesskeller zu befördern.

Gestern also haben wir damit begonnen, schon mal den Farbenschrank die Treppe heraufzuzerren. Der ist nicht besonders schwer, dafür aber ziemlich widerspenstig. Und die Treppen hoch will er schon gar nicht. Bereits auf Stufe 3 habe ich den Schrank auf dem Fuß. Info am Rande: So ein Zehennagel hält einem Schrank nicht lange stand, der knickt einfach in der Mitte durch und tut dann doll weh. Einen verarzteten Fuß später steht der Schrank auf der Terrasse. Und Herr Müller kämpft im Keller mit Spinnen und -weben.

Wand 1 wäre nun frei für 2 von insgesamt 4 Steckdosen. Wand 2 folgt, wenn der Elektriker den Startschuss gibt und mein Zeh wieder zusammengewachsen ist. Die Trockenbauer, die gleich danach die offen liegenden Gas- und Wasserleitungen verkleiden sollen, sind dann hoffentlich nicht so pingelig…

Streichelzoo…

Samstag früh: Streichelzoo.

Wir kaufen zwei Tüten Gerste und ein Päckchen Sonnenblumenkerne. Kind 1 verlangt die Aushändigung der Sonnenblumenkerne und beginnt, das Vogelfutter selbst zu essen. Auf den Hinweis, dass das Zeug für die Papageien ist, wird müde abgewunken.

Ziegen! Wir sehen Ziegen. Kleine, große und so mittlere. Alle Kinder wollen Ziegen streicheln. In der
Folge verschwinden zwei Tüten Gerste in genau einem Tier. Kind 2 entdeckt derweil Hühner und entfernt sich unerlaubt, aber äußerst flink. Dann will Kind 1 die Ziegen fotografieren, stellt sich aber genau hinter den eben gefütterten Paarhufer. Auf den Hinweis, dass Ziegen ihren Kopf vorne haben, werden wir altklug darüber aufgeklärt, dass das Kind die Ziege beim Kackamachen abzulichten gedenkt. Wir verstummen gerührt.

Derweil fallen die Hühner über Kind 2 her. Das hält sich tapfer an einem einzelnen Blatt Löwenzahn fest, das eigentlich zur Fütterung gedacht war und auf das die Hühner echt scharf sind. Das Kind bricht unter der Geflügellast zusammen. Alle schreien. Tumult entsteht.

Kaninchen rasen über die Wiese, gefolgt von einem fremden Kind, das auch Löwenzahn in der Hand hat. Offensichtlich haben die Kaninchen kein Interesse an Grünfutter.

Die Hühner haben derweil Kind 2 das Blättchen Löwenzahn entrissen und steigen gackernd von ihrem Opfer herunter. Kind 2 zeigt Hühnerbisswunden und lässt sich für die Spuren des Kampfes bewundern. Personal nähert sich.

Die Meerschweinchen im Gehege links neben den Enten fressen ihre eigenen Kötel. Ein junger Vater klärt über das Prinzip Perpetuum Mobile auf. Alle machen Oh! und Ah!

Kind 2 wird mit Pflastern und Lollis versorgt. Die Chefin der Anlage entschuldigt sich persönlich für die carnivoren Hühner und verspricht Besserung durch Einkerkerung. Kind 2 sucht derweil nach neuem Löwenzahn und nähert sich erneut gefährlich dem Federvieh.

Die Kaninchen drehen ihre achte Runde. Das fremde Kind haben sie mittlerweile abgeschüttelt.

Wo denn die Hundebabys sind, werden wir gefragt.

Es gibt Eis und Brause an einem bunten Stand. Der Verkäufer ist wie ein Esel angezogen, was allgemein für Verwunderung sorgt. Die irritierten Blicke erträgt er mit stoischer Ruhe. Iahs will er keine machen. Dafür hat er nicht vier Semester Philosophie studiert.

Warum es keine Pommes gibt, werden wir gefragt.

Wir nähern uns einem echten Esel, der erst liebevoll die Haare von Kind 2 beschnüffelt und dann ein bisschen Spucke auf den kleinen Kopf klebt. Kind 2 will die Spucke behalten. Den Esel auch. Dass so ein Esel nicht ins Auto passt und deswegen hier bleiben muss, wird mit Geheule beantwortet. Wie zur Mahnung werden die Hühnerbisspflaster in den Himmel gestreckt. So tapfer und bekommt keinen Esel geschenkt. Die Welt ist ungerecht.

Ponyreiten fällt aus. Und auf den Nandus darf man nicht reiten. Man könnte vielleicht, aber das Schild am Eingang des Geheges verbietet einen derartigen Ausflug explizit. Dafür dürfen wir kleingeschnittene Äpfel verfüttern. Kind 2 erinnert sich an Hühnerschnäbel und will nicht füttern. Kind 1 verlangt die Äpfel selbst zu essen.

Die nächsten zwei Stunden verbringen die Kinder auf dem Spielplatz und die Eltern im Café gleich daneben. Erschöpfte Aufsichtspersonen, so weit das Auge reicht. Es gibt Kuchen und Kaffee. Besonders abgekämpfte Väter dürfen Bier. Aber nur eins. Weil man ja noch fahren muss und es noch nicht einmal vier Uhr ist.

Ob es noch Geschenke gibt, werden wir gefragt. Da hinten im Souvenir-Shop. Dort steht eine als Tiger verkleidete Verkäuferin und bietet Bonbons und Tinnef feil. Die Kinder entscheiden sich für eine Gummispinne und eine Wasserspritzpistole in Form eines Krokodils. Dann dürfen wir endlich gehen.

Wir nehmen zwei nach Ziegen riechende, mit Hühnerkot beschmutzte, verspuckte und verwundete Kinder mit heim. Zuhause finden wir später eine halbe Tüte Sonnenblumenkerne und einen Brausedeckel in der Schatztruhe von Kind 1. Kind 2 hat noch Löwenzahn in der Tasche und die braune Feder von einem Hühnerpo…

 

Vorfreude…

Jedes Jahr aufs Neue räumt der Handel – pünktlich zum Herbstanfang – die Weihnachtsdeko raus.
Und jedes Jahr aufs Neue wundert man sich umständlich und beschwert sich über den Druck, der sich automatisch aufbaut. Dann wird Unsinn über noch nicht erstellte Weihnachtswunschzettel gefaselt und darüber gewitzelt, wer denn dieses Jahr zu wem fährt. Oder fahren muss.

Meine Lieben: Nichts ist schlimm an Lebkuchen im September. Die schmecken jetzt schon! Wirklich! Und Kekse, in denen Nüsse und Zimt drin sind, sollten ohnehin das ganze Jahr über Bestandteil der häuslichen Keksdose sein. Aus Gründen der Leckerheit.

Es gibt keine Studien, die belegen, dass Spekulatius im Herbst zu frühzeitigem Haarausfall führt. Ebensowenig übrigens wie Eisbecher im Januar! Saisonale Aromen haben kein Fälligkeitsdatum. Und wer jetzt noch keine Kekse möchte, kauft sie einfach nicht. Merke: Man kann den Weihnachtsstapel im Supermarkt auch einfach links liegen lassen.

Aber bedenken Sie: Auch im nächsten Jahr gibt es Ende September wieder Weihnachts-Echos. Seien Sie dann einfach mal nicht überrascht! Freuen Sie sich darüber! Als Kind haben Sie sich doch auch monatelang auf Weihachten gefreut! Holen Sie sich das ab und zu zurück. Vielleicht am Keksstapel im Supermarkt…