40 Wochen oder so…

40wo_bindernagelAuch Männer werden schwanger. Das ist althergebrachtes Kulturgut. 40 Wochen lang schauen sie der Frau, die sie lieben, bei der Verrundung zu und entwickeln dabei mitunter selbst das eine oder andere Symptom. Und es ist kein Wunder: Der Mann von heute ist schließlich umfänglich eingebunden in die Schwangerschaft und alles, was damit zu tun hat. Es beginnt mit „Heute Eisprung!“, geht übers fast gemeinsame Pinkeln auf Stäbchen und führt sich Monat um Monat fort: Mit Arztbesuchen, bei denen mann nichts anderes zu tun hat als rumzusitzen, Händchen zu halten und undeutbaren Krims auf Monitoren zu betrachten. Mit 12-wöchiger Schweigepflicht, den „Umstand“ betreffend“. Mit einem Zustand, der allgemein als „kotzschlecht“ zu bezeichnen ist. Mit seltsamen Gelüsten die Nahrungsaufnahme betreffend. Dann das Kinderzimmer! Ein Roman für sich. Überhaupt: Schwanger sein kann schnell schwierig werden…

Thomas Bindernagel, seines Zeichens sowohl Vater als auch Werdender, schreibt anschaulich über seine ganz eigenen 40 Wochen. Über alle Freuden, Sorgen, Ängste – und über Toffifee. Ein Buch für Eltern, Werdende und solche, die sich noch nicht ganz sicher sind.

„40 Wochen oder so“ Thomas Bindernagel

Nichtkatzen…

Die Babykätzchen schreien infernalisch. Jede Nacht. Sie müssen irgendwo in der Nähe des Hauses im Gebüsch hocken. Eine Mutter spürt so etwas. Und sie haben Hunger. Dem Gebrüll nach zu urteilen, ist ihre Katzenmama äußerst nachlässig und kommt nur etwa alle 18 Stunden einmal zur Versorgung vorbei. Die armen, armen Babykatzen. Ich muss sie retten.

Ich bin mit äußerst lebhafter Fantasie geschlagen. Ich schreibe absichtlich geschlagen, weil Fantasie nicht immer nur was Schönes ist. Ganz im Gegenteil, man kann sich mit ihr auch alle furchtbaren Dinge imaginieren, wie man sie so im wahren Leben nie auch nur ansprechen würde. Leidende und hungernde Katzenbabys gehören absolut dazu.

„Die Kätzchen sterben!“ weine ich eines Abends, da liegen Herr Müller und ich schon im Bett. Bereits seit Sonnenuntergang schreit es draußen. Der Versuch, die Fenster zu schließen, um den Lärm draußen zu lassen, bringt den Kopf nicht zur Ruhe. Ich wälze mich hin und her. „Die Katzenbabys!“ versuche ich es erneut. „Die haben Hunger!“ Herr Müller klappt die Augen auf. Kurz schaut er mich an. Denkt nach. Dann schwingt er sich aus den Federn. Und geht. Wortlos. Die Tür klappt, das Gartentor schwingt. Die Katzenbabys schreien.

Im Haus tigere ich auf und ab. Und male mir aus, wo die Kätzchen wohnen werden, wenn Herr Müller gleich mit einem Arm voller Fellknäueln wieder auftauchen wird. Zehn Minuten später dann klingelt endlich das Telefon. Herr Müller ist dran. Da wo er ist, das höre ich, schreit es.

„Und?“ frage ich, ganz bang.
„Deine Kätzchen,“ sagt er, „die sitzen sechs Meter über mir in den Bäumen.“ Herr Müller klärt auf. Er steht im Wäldchen, das sich direkt an die Siedlung, in der wir wohnen, anschließt. Und es rufen mitnichten Feline: Unsere Babykatzen sind junge Waldohreulen. Die rufen des nachts ganz ähnlich wie junge Katzen. Nur viel lauter.

Und die Fantasie, die lebhafte, ist beruhigt.

Bart…

Zlatan Ibrahimovic hat einen schönen Bart. Opa auch. Papas Bart: Schön. Kind 2 liebt Bärte. Seit die Hipster-Bewegung ihren Höhepunkt erreicht hat und Gesichtsbehaarung wieder en vouge ist, sieht unser Sohn jeden Tag schöne Bärte. Und scheut sich nicht, seiner Bewunderung Ausdruck zu verleihen.

„Du hast einen schönen Bart!“ verkündet Kind 2 letztens dem Paketboten. Der ist erst irritiert, freut sich dann aber doch.  Auch der Typ, der beim Rewe das Bier ins Regal räumt, wird wortreich gelobt. Denn der Bart ist gigantisch. Als hätte ein Biber ein Gesicht gefressen. Hier kommt die Bewunderung mit großen Gesten einher. Und mit einleitendem „Oooooooh!“ wie es sich für solch ein Monster an Haar gehört. Alle müssen lachen. Aber das Kind meint das todernst.  Und grinst mit Ausdruck purer Verzückung.

Einziges Manko: Ein eigener Bart will dem Kind nicht wachsen. Auch nicht nach eingehendem Studium des eigenen Spiegelbildes und viel Gezupfe an Kinn und Wange. Das ist doof.

Und Mama? Die hat auch keinen Bart: „Willst du keinen?“
„Nein.“
„Bartse sind doch sooooo schön!“
„Ja, aber Frauen haben keine. Und sie wollen auch keine.“
„Auch nicht, wenn sie schön sind?“

Na ja…

Fußball…

Das Kind sitzt vor dem Fernseher und schaut zum gefühlten 20sten Mal das 2:0 Tor vom Schweinsteiger. Das ganze Spiel kann ich mittlerweile zitieren. Jede einzelne Minute. Kind 2 ist das egal. Es will Fußball sehen. Wieder und wieder. Und wir nehmen brav jedes wichtige Spiel auf und schreiben Ergebnisse in kleine Tabellen. Dem begeisterten Nachwuchs zuliebe. Es ist Fußball-Europameisterschaft.

Seit Kind 2 zwei Jahre alt ist, ist Fußball seine Welt. Schuld war damals im Jahr 2014 die WM. Obwohl keine Fans, haben wir damals ein Spiel im Fernsehen angeschaut. Und wurden Zeuge, wie Kind 2 vor dem Fernseher einfror und erst 90 Minuten später wieder zu sich kam. Seitdem hat Fußball unser Kind fest im Griff. Mit allen Konsequenzen. Sammelbilder, Poster, eine Kollektion von 8 Fußbällen, Shirts, Hefte, selbst Bettwäsche und überhaupt alles, was die Merchandise-Maschinerie nur bieten kann. Nicht zu vergessen das tägliche Gekicke im Garten, Park, im Wohnzimmer – einfach überall.

Jetzt, während der EM, ist das Kind im Fußball-Himmel. „Magst du Fußball?“ wird unlängst die Oma im Supermarkt befragt. Die guckt erst irritiert, wird sich dann aber bewusst, dass auf der Fernsehzeitung, die sie da gerade kaufen will, ein kleines Bild vom Neuer prangt.
„Du hast einen schönen Bart.“ hört der Vater von Jonas-Nero. „Wie der Zlatan Ibrahimovic.“ Nicht zu vergessen: „Hast du Fußball-Bilder?“ zur Kassiererin im Supermarkt. Natürlich hat sie.

Im Kindergarten werden derweil Sportlerbilder getauscht. Erwähnenswert sei an dieser Stelle, dass das Kind alle Namen der gefühlt 600 Spieler des UEFA 2016-Stickeralbums auswendig dahersprechen kann. Wir machen uns kurz Hoffnungen auf Hochbegabung, bis wir darüber aufgeklärt werden, dass Kinder noch ganz andere Sachen können. Und dass 600 Namen eben in erster Linie auf große Hingabe zum Hobby weisen.

Leider nehmen die drei Fußballvereine, die die Nachbarschaft anzubieten hat, noch keine Vierjährigen in ihre Reihen auf. Begeisterung hin oder her: Das Kind hat 6 Jahre oder älter zu sein. So bleibt uns nur das Kicken im Garten. Und der sehnsüchtige Blick auf die Vereinsspieler des Dorfes.

Frohe EM zusammen!

Verschneckt…

Na, das ist ja schon wieder lange her…

Als Entschuldigung muss ein Gastropode herhalten. Damit hier mal wieder Schwung in die Bude kommt. Obwohl… Schwung und Schnecken… na ja.

Schnecke1

Der florale Schleimer wurde unlängst auf der Müllerschen Terrasse beim Besteig… äh Bestäuben einer Margerite erwischt. Sie kennen ja sicher die Geschichte mit den Schnecken und den Blumen…

Demnächst dann sicher wieder mehr, in kürzeren Abständen.