Verfuchst und zugenäht…

Nachts schleicht der Fuchs ums Haus. Man hört ihn nicht, aber ab und zu findet man Fuchsscheiße auf der Wiese. Der Nachbar hat ihn schon gesehen, den Fuchs. Weil er sich am viel zu späten Abend nämlich immer noch ein Zigarettchen gönnt – so als Betthupferl vor dem Schlafengehen. Geraucht werden darf aber nur draußen, da hat sich die Dame des Hauses durchgesetzt. Deshalb hat der Nachbar auch den Fuchs ertappt. Ich für meinen Teil höre nur hin und wieder das Klick-Klick-Klick des Feuerzeugs. Und finde morgens Häufchen.

Ob wir Hühner haben, will der Nachbar wissen. Weil Füchse, das weiß jeder, gern mal Federvieh wildern. Ich verneine. Hühner haben wir nicht. Aber ich hätte gern welche. Das weiß bestimmt auch Reinecke und schaut immer mal wieder nach, ob ich mich nun endlich gegen Herrn Müller durchsetzen konnte. Auch Hasen haben wir nicht – das ist gleich die nächste Frage des Nachbarn.

Vermutlich, das stelle ich jetzt einfach mal so in den Raum, ist unser Garten ohnehin nur Teil eines tierischen Trampelpfades. Gerade Füchse sind ja als Kulturfolger bekannt. Sie finden Leckerlie in Mülltonnen und auf Komposthaufen, essen gern, was es noch so in den Gelben Säcken gibt, die über Nacht am Straßenrand stehen und haben nebenbei gar nicht mal so große Probleme mit Hunden, Katzen oder eben dem Menschen.

Da es bei uns aber nichts zu essen gibt – die Mülltonnen sind weggeschlossen, der Kompost enthält nur Grünschnitt und Gelbe Säcke übernachten stets drinnen, kann der Müllersche Garten nur Durchlaufstation sein.

“So ein Fuchs frisst ja auch Schnecken,” versuche ich es auf die versöhnliche Tour. “Da kann man sich dann das Absammeln und die Bierfallen und den ganzen Stuss sparen.”

Der Nachbar schaut mich nachdenklich an. “Ratten fressen sie auch!” freut er sich dann. “Wer ‘nen Fuchs hat, hat keine Ratten!”

Man muss eben auch das Gute sehen… Man stelle sich die Rattenschwärme vor, wenn der Fuchs nicht wäre… Gott sei Dank haben wir den Fuchs…

Nicht telefoniert…

Hundertmal hat er schon angerufen. Mindestens. Wenn nicht noch öfter. Aber keiner ruft ihn zurück. Was denn mit uns los ist?
Ich muss mich gar nicht ahnungslos geben: Ich bin ahnungslos. Unser Telefon interessiert es nämlich nicht, wer wann anruft und einfach ohne Nachricht auflegt. Es speichert keine Nummern.
“Warum sprichst du nicht auf den Anrufbeantworter?” will ich wissen.
“Ne, mach ich nicht!” höre ich.
Ach so.”Aber dir ist schon klar, dass dich keiner zurückrufen kann, wenn du nicht auf den Ah Beh sprechen willst.”
“Doch, du siehst doch meine Nummer!”
“Nein, sehe ich nicht.”
“Doch!”
“Nein. Nur wenn du auf den Anrufbeantworter sprichst.”
Doch, bei mir ist das immer so. Ich sehe sogar am Computer, wer angerufen hat.”
“Das ist schön für dich, aber bei uns musst du schon auf den Anrufbeantworter sprechen, wenn du willst, dass man merkt, dass du angerufen hast.”
“Aber das mache ich grundsätzlich nicht!”
“Dann bist du einfach mal selbst schuld.”
“Aber warum seht ihr denn nicht, wer anruft? Habt ihr noch so ein Telefon mit Wählscheibe oder was?”
Ich seufze. Sehr laut. Das Augendrehen kann ich gerade noch unterdrücken. Aber auch nur, weil ich die Augen zumache.
“Außerdem seid ihr immer da, aber keiner geht ans Telefon.”
“Wir sind mitnichten immer da.”
“Doch, das Auto steht immer vor der Tür.”
“Wahrscheinlich deshalb, weil wir mit dem Zug zur Arbeit fahren.”
“Aber die Fenster sind auch immer offen!”
Das stimmt jetzt schon wieder nicht, aber wir drehen uns in unserer Ja-Nein-Doch-Diskussion ohnehin längst im Kreis. Ich setze dieses unverbindliche Lächeln auf, dass ich gern benutze, wenn ich Gespräche beenden möchte.
“Na, ruft ihr denn nun mal zurück?”
“Wenn du auf den Ah Beh sprichst.”
“Das mache ich nicht!”
Tja dann…

Kirschen, Kochen, Traumata…

Man kommt zu gar nichts mehr! Bevor der verdammte Baum nicht abgeerntet ist, passiert hier nichts!

Unser Kirschbaum sieht eigentlich mickrig aus. Er ist nur knappe zwei Meter hoch und allenfalls ein Baum-Teenager. Vor sechs Jahren war er ein Geschenk der Nachbarn zum 1. Geburtstag unserer Tochter. Sechs Jahre ist er eher mäßig gewachsen, hat erst nur eine Handvoll Kirschen produziert. Mittlerweile erschlägt er uns mit Früchten. Keines der Kinder kann mehr Kirschen sehen. Herr Müller, der Dank nachlassender Allergien wieder Steinobst essen kann, kämpft mit nachlassender Motivation. Die Nachbarn winken mitleidig ab, als ich Obst anbiete und selbst die Vögel haben keine Lust mehr auf Vitamine. Ich stehe also jeden Tag vor unserem Kirsch-Teenie und überlege, was ich mit den überschweren Ästen machen soll.

Kirschen pur will keiner mehr. So toll Kirschen an sich sind – wer genug davon in sich hineingestopft hat, kann sie irgendwann nicht mehr sehen. Kirschkuchen hatten wir auch schon. Rote Grütze: Erledigt. Marmelade: Auch. Smoothies: Kommen mittlerweile nicht mehr so gut an. Bleibt also der schöne Klassiker Einkochen.

Aber eigentlich habe ich etwas gegen Kirschen im Glas. Meine Oma kochte damals nämlich stets und sehr fleißig Kirschen ein und wir aßen noch Monate später mit großen Löffeln aus großen Gläsern. Leider hatten diese Gläser ein Problem: Oma kochte die Kirschen mit Kern. Und mit Maden. Das Trauma hielt lang genug an, um mir Kirschen für lange Jahre zu verleiden.

Trotzdem mache mir nun Gedanken übers gute alte Einwecken. Gläser sind genug da. Kirschen auch. Zeit weniger. Will ich aber madenlose Kirschen haben, die besonders meinen Kindern nicht das gleiche Trauma überhelfen wie mir einst, ist besonders Zeit ein wesentlicher Faktor. Denn jede Kirsche muss entsteint und auf Untermieter gecheckt werden. Gestern Abend habe ich bereits angefangen – habe vor dem Fernseher gesessen, “The Mentalist” geguckt und Kirschen gepuhlt. Einige Marmeladengläser habe ich dann auch schon füllen können. Die großen Pötte kommen die Tage dran. Falls die Motivation lange genug anhält… Für Obstkonserven sind dann vielleicht auch die Nachbarn wieder empfänglich. Wer weiß. Alternativ kann ich das ganze tolle Obst ja auch in den Keller bringen und neben die Marmelade des letzten Jahres und das Apfelmus von 2013 stellen. Man kann nie wissen, wozu die Vorräte einst noch taugen. Merke: Im Falle einer Zombie-Apokalypse werden wir garantiert keinen Vitaminmangel erleiden!

Ein Gutes hat die ganze Sache allerdings: Der Kirschbaum mag übervoll sein. Dafür tragen dieses Jahr weder der Apfel- noch der Pflaumenbaum. Manchmal ist das Universum eben doch gerecht.

Der schlechte Film: 5 Zimmer Küche Sarg…

Vampire haben es nicht leicht. Können nur im Dunklen raus, kommen in keinen Club rein, sind zwar super sexy, können sich aber nicht im Spiegel betrachten – ach und überhaupt. Und dann dieses falsche Bild, das die Medien verbreiten. So kann es einfach nicht weitergehen.

Auf diesen Missstand will die Dokumentation “5 Zimmer Küche Sarg” hinweisen. Ein Filmteam begleitet hierzu über mehrere Monate eine Wohngemeinschaft von 4 Vampiren im neuseeländischen Wellington und lässt Einblicke in ihren Alltag zu – der übrigens viel weniger glamourös ist, als man allgemein annehmen könnte. Schon die täglich… nächtlichen Aufgaben, die jeder WG-Bewohner kennt, stellen unsere 4 Vampire vor größere Probleme. So hat seit 5 Jahren niemand das dreckige Geschirr abgewaschen. Und den Boden gefegt hat auch keiner. Dann die Gebeine im Keller… kurzum: In Vampir-WGs geht es genauso zu wie in der alten Studentenbude, in der unsereins damals gehaust hat.

“5 Zimmer, Küche, Sarg” ist eine herrlich komische, unkonventionelle und (ja) kluge “Dokumentation” über eine “stilvoll verwahrloste” WG von Vampiren. Leider ist der Film hierzulande bei seiner Kinopremiere ziemlich untergegangen. So haben sich bei der “Berlinale” zwar noch alle einen Ast gelacht, die Kritiken waren durchweg überschwänglich, aber das wars dann eigentlich. Was für ein Glück, dass der Streifen nun DVD-Premiere feiert.

Begleiten Sie also Viago, Vladislav, Deacon und Petyr durch ihren Vampiralltag. Seien Sie dabei bei Hausmusik, Fledermauskämpfen, Pöbeleien mit Werwölfen, erotischen Tänzen und WG-Treffen mit leidigen Diskussionen über Haushaltspflichten. Ach und die Zahnarztbesuche – welcher Arzt hat nachts schon Sprechzeiten…

“5 Zimmer Küche Sarg”: Aberwitzig, bescheuert, zum Schreien komisch. Angucken!

Murmeltiergrüße und anderer Kram…

Schon wieder Streik. Oder immer noch. Man kennt sich gar nicht mehr aus. Während man kurz hoffte, die Bahn käme wieder zu sich, liegt nun wieder alles darnieder. Die Kindergartentanten streiken auch noch. Und jetzt auch die Post. Wenn nun auch die Recken vom REWE ihre Arbeit niederlegen und sich die Lehrer anschließen, wird man nur noch langsam bis 30 zählen können. Dann implodiert der Planet. Ich wette mit Ihnen!

Dann stehen schon wieder Ferien an. Pfingstferien! Wir sind im Freizeitstress. Bei Omas und Tanten kann man die Kinder nicht abwerfen. Die wandern nämlich entweder auf Korfu oder stiefeln in Bergschuhen durch die Schweizer Alpen. Und können/wollen da auf keinen Fall Kinder mitnehmen. Zwei Wochen lang will Kind 1 nun bespaßt werden. Zum Glück springt rechtzeitig der Betreuungsreigen des Schulhorts an und bietet vierzehn Tage lang Wald-, Bade- und Basteltage. Die eine oder andere Mutter würde da sicher auch gern – zumal besonders die Aussicht auf Glitzerkram in Woche 2 verheißungsvoll scheint. Ich beauftrage das Kind, Armband und Kette zu basteln und ernte einen Blick, der an Fremdscham alles ausdrückt, was man mit 7 Jahren nur zustande bringen kann…

Weil das selbstverständlich noch nicht genug Spaß für die ganze Familie ist, ist der Kater krank. Magenkrank. Die letzte Maus muss wohl schlecht gewesen sein. Anders lässt es sich nicht erklären, dass der Kater, unabhängig von Magenfüllung, Tageszeit und Schmusebedarf derzeit unfassbar fies um sich kotzt. Gern auch ohne Vorwarnung. Zum Beispiel beim Kuscheln auf dem Sofa. In diesem Zusammenhang kann ich versichern: Lachen werden garantiert alle – nur Sie nicht. Sie haben nämlich Vorverdautes auf der Brille und müssen sich zusammenreißen, um nicht selbst spontan den Magen zu entleeren. Der Kater guckt derweil nicht im Mindesten peinlich berührt, setzt sich dafür aber auf den Teppich und fährt mit pumpendem Geräusch und passender Körperrhythmik mit der Entleerung fort.

Und dann hatten wir, weil aller guten Dinge Pech sind, noch Läuse… aber davon demnächst…