Eis, Eis, Baby…

Im Sommer fährt hier immer der Eiswagen durch. Eigentlich ist das durchaus zu begrüßen, denn jenseits von 25°C kommt so ein Eis immer gelegen.

Andererseits frierts mich schon, wenn der Wagen in unsere Straße einbiegt. Denn stets klimpert unheimliche Musik aus den Lautsprechern. Musik, die mir Gänsehaut macht. Überhaupt scheint es nur gruselige Spieluhrmelodien für Eiswagen zu geben. Und während mein Kind losrennt und bei dem Onkel ein Eis kauft, habe ich nur die Assoziation des Clowns aus “Es” vor Augen, wie er dem Kind erst sein Softeis reicht und mich dann frisst…

Obwohl… als Erwachsener sieht man den Clown ja nicht mehr, wenn ich mich korrekt an die Story erinnere.

Aber das macht es eigentlich nur noch schlimmer…

Wir…

So weinen Männer sonst nur, wenn das Bier alle ist. Opa Krause, drei Häuser weiter, spricht von “seinen Jungs”, von etwas, das “wir” gewonnen haben und fast meint man, er hätte das Tor ganz allein geschossen. Oma Krause guckt mich gequält an und flüstert etwas von: “Endlich wieder Ruhe hier.” Hätte ja auch keiner ahnen können, dass der Dorfkreisverkehr mitten in der Nacht Schauplatz eines Autokorsos wird. Immer im Kreis rum, zwei Stunden lang, wenn man den Schilderungen der übernächtigten Senioren Glauben schenken mag. Unklaren Angaben zufolge waren auch zwei Traktoren beteiligt.

Und die Fanbänder, die wir extra gebastelt und im Kindergarten unter das kleine Volk gebracht haben, die haben natürlich Glück gebracht. Hätten wir die nicht gemacht, Deutschland trüge heute Trauer. Ich kriege im Kindergarten extra noch mal die Hand geschüttelt.

Heute sind wir dann schon wieder etwas gefasster. Das Deutschland-Trikot darf jetzt dann auch endlich gewaschen werden. Das stinkt mittlerweile nicht nur, das kann auch schon alleine laufen und wird wohl in den nächsten Tagen “Mama” sagen. Jemand sagt was von einem Stern, den man irgendwo draufnähen müsste. Zur Not könne man ihn auch malen. Aber nur, wenn man den Umgang mit dem Textilstift beherrscht. Überhaupt sei es aber am besten, man kauft sein Trikot gleich frisch, damit man in vier Jahren nicht mit Ware aus der letzten Saison ausgelacht wird. Ich stehe daneben und täusche Kompetenz vor.

Die Silvesterböller dürften dann jetzt übrigens auch endlich alle sein. Pünktlich um Mitternacht erhellten die letzten Reste aus der Jahreswechselkiste den Nachthimmel, und erschreckten Viechzeug und Oma Hilde, die sich “im falschen Film” wähnte. Gleichzeitig kamen Tina Turner  und die Jungs von Queen zu einem segenreichen Tantiemenregen. Wann kann man denn sonst schon so laut in Endlosschleife: “Hero” und “We are the Champions” spielen…

Ach und überhaupt. Sieger. Alle.

Und jetzt wieder Tagesgeschäft. Irgend jemand muss noch einkaufen. Chips sind alle…

Bruce…

Bruce Campbell sitzt beim örtlichen Supermarktbäcker und schlürft gelangweilt einen Latte Macchiato. Mein spontaner Impuls, mich in echter Fanmanier vor ihn hinzuschmeißen, wird jedoch prompt unterdrückt, als er anfängt, sich mit seinem Kumpel zu unterhalten. Diesen schlimmen fränkischen Einschlag hört man in seinen Filmen gar nicht raus…

“Hat Ihnen schon mal jemand gesagt, dass Sie aussehen wie Bruce Campbell?” will ich wissen, als ich mit meiner Brötchentüte an ihm vorbeigehe. Er schaut auf.

“Ja, das höre ich öfter.

Aber wissen Sie, ich gucke zuhause nicht so viel Fernsehen. Und Dschörmennies next Topmodell interessiert mich jetzt auch nicht wirklich.”

Ach so…

Endlich…

Es regnet. Endlich.

Gestern Abend, pünktlich zum Public Viewing, ging es bei uns los und hat bis jetzt nicht aufgehört. Die Natur saugt eifrig auf, was es die ganzen letzten Wochen über zu wenig gegeben hat. Und die Nachbarn stehen im Garten und freuen sich, dass sie Zeit haben. Zeit, die sie nicht mit Gießen zubringen müssen. Vielleicht wird aus dem grauen Etwas, das unsere Wiese ist, nun auch wieder ein grünes Etwas.

Für die Fußballgucker indes war der Regen jetzt vielleicht nicht der große Schuss. Etliche öffentliche Plätze, die eigentlich zum Gucken und Jubeln reserviert waren, wurden wegen der Gefahr von Unwettern vorsorglich geschlossen. Viele Fans haben die ersten Tore so unter Umständen gar nicht gesehen, weil sie damit beschäftigt waren, wieder nach Hause zu fahren. Und dann, gegen Mitternacht, zündete nicht einmal das vorbereitete Feuerwerk – es war einfach zu nass.

Die Katzen sitzen an der Terassentür und gucken beleidigt nach draußen. Den Katzen ist es wurscht, dass die Natur den Regen braucht. Die Katzen wollen Grashüpfer fangen, Hummeln tatschen und sich auf der rascheltrockenen Wiese wälzen. Abends wollen sie dann heimkommen, staubig und dampfig vom Sommer und sich Spelzen aus dem Pelz zupfen lassen. Die Katzen finden den Regen doof. Und tigern am Fenster auf und ab.

Glaubt man dem Wetterbericht, regnet es noch mindesten zwei Tage lang. Das sollte reichen, um die Akkus wieder aufzuladen. Und dann darf es auch wieder Sommer werden…

 

Still…

Sagen Sie mal: Ist es bei Ihnen auch so still? Ich meine: Still trotz Fußball? Alle vier Jahre war hier in der Gegend ja bislang großes Trallala angesagt, wenn im Fernsehen Männer einem Ball nachhetzten. Da wurde bei jedem Tor auf den Balkon gerannt und urgeschrien. Da verkleidete man sein Auto und drückte beherzt auf die Hupe, wenn einem ein anderes Gefährt mit Deutschlandfahnen begegnete. Im Supermarkt kloppte man sich um Chipstüten und Bierkästen. Und der Grill war quasi ständig an – weil man beim Fußballgucken am besten Fleisch isst.

In dieser Fußballsaison ist es nahezu unheimlich still. Tore werden nicht beschrien. Die Autos sind merkwürdig nackig. Kein einziges Feuerwerk am Himmel. Natürlich könnte es daran liegen, dass wir gerade mal vor dem Viertelfinale stehen. Und 60 Jahre nach dem “Wunder von Bern” will vielleicht auch so recht keiner ins Karma hineinjubeln. Aber ein bisschen eigenartig ist es schon.

Andererseits – und auch das muss man ernsthaft in Betracht ziehen – wohnen mittlerweile viele junge Familien hier. Mit Klein- und Kleinstkindern. Da muss man sich oft entscheiden: Lieber Fußball gucken oder doch schlafen gehen. Und die Rentner der Umgebung: Die wollen sowieso ihre Ruhe haben…

Nun habe ich persönlich – ich muss es ehrlich zugeben – kein Problem damit, dass es ruhig zugeht. Schließlich sind wir alle erwachsen und Freudentänze auf Dorfkreuzungen sind jetzt auch nicht unbedingt das, mit dem man sich am nächsten Tag im Supermarktklatsch wiederfinden will. Vielleicht brandet die Feierlaune aber auch erst später auf. Ab heute Abend zum Beispiel. Wenn nichts dazwischen kommt, wenn Sie verstehen, was ich meine…

 

Gastbeitrag: Die transparente Kita…

Heute schreibe nicht ich etwas zur Lage der Nation. Heute möchte ich einen Gastbeitrag veröffentlichen.

Max Dohna schreibt an der Universität Bonn eine Dissertation zum Thema “Transparenz in der Kinderbetreuung” und benötigt Unterstützung bei seiner Arbeit. Hier kommen Sie ins Spiel. Lesen Sie sich den Artikel durch, denken Sie darüber nach, klicken Sie den Fragebogen an und helfen Sie dabei, Kinderbetreuung für Eltern durchschaubarer und vergleichbarer zu machen.

Ich bitte außerdem um zahlreiches Weitersagen.

Vielen Dank!

 

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Studie zu Transparenz in der Kinderbetreuung

Stellen Sie sich bitte vor, Sie suchten ein Hotel für den nächsten Familienurlaub. Wenn Sie die wichtige Entscheidung über den Urlaubsort getroffen haben, können Sie sich im Internet stundenlang über jede Strandhütte informieren. Ich gebe zu, die Aussage anderer Gäste, dass das Essen toll war, lockt einen gerne mal ins Pommes- und Pizzaland, aber man bekommt wenigstens eine grobe Ahnung, ob man den wertvollen Urlaub in dieser oder jener Unterkunft zur Erholung nutzen kann. Besser wird es beim Autokauf, denn hier sind sogar echte Profis am Werk. Neben Freunden und Kollegen, von denen immer einige heimliche Experten sind, kann man sich sowohl online als auch analog auf vielen Seiten und in Magazinen mit Tests und Empfehlungen professioneller Tester versorgen.

Was hat das nun mit der Suche nach Kinderbetreuung zu tun? Leider nicht viel. In meiner Dissertation zum Thema „Transparenz in der Kinderbetreuung“ beschäftige ich mich mit der Frage, was Eltern bei der Suche nach Kinderbetreuung beschäftigt und welche ihrer Fragen sie mit vertretbarem Aufwand beantwortet bekommen. Vor meiner Promotion habe ich als Gründer und Leiter eines Kindergartens mit Schrecken festgestellt, wie undurchsichtig der Kinderbetreuungsbereich für Eltern ist. Für die Jugendämter übrigens auch. Auf meine Frage, ob Besuche vom Jugendamt unangekündigt stattfinden, bekam ich von der zuständigen Dame ein überraschtes „Nein“ zu hören. Man ist ja schließlich unter Kollegen…

Seit Ende letzten Jahres bin ich kein Kindergärtner mehr und gehe das Thema nun wissenschaftlich an. Leider ist die Situation hier kaum besser. Wissenschaftler in Deutschland forschen an pädagogischen Standards oder volkswirtschaftlichem Nutzen der Kinderbetreuung. Die Perspektive der Eltern, ihre Wünsche und Bedürfnisse, ist bisher nicht nennenswert erforscht worden. Dabei sind sie es, die in den meisten Fällen tatsächlich das Beste für ihre Kinder wollen und stellvertretend für sie die Entscheidung treffen, ob, wo und wie betreut wird. Mehr Betreuungsplätze wären dabei schon einmal hilfreich. Ohne die notwendige Transparenz bliebe den Eltern jedoch trotzdem noch eine zeit- und nervenaufreibende Suche.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ohne einen persönlichen Besuch vor Ort sollte niemand eine Kinderbetreuung aussuchen. Es sollte aber möglich sein, die denkbaren Alternativen vorab ohne Besuch näher kennen zu lernen und sich so auf die konzentrieren zu können, die zu den eigenen Vorstellungen passen. Dazu muss als erstes erforscht werden, welche vergleichbaren Faktoren Eltern überhaupt interessieren.

Ich wäre Ihnen überaus dankbar, wenn Sie an meiner Studie teilnehmen würden und auch andere Eltern darauf hinweisen. Der Fragebogen dauert etwa 25 Minuten und richtet sich an alle, die zur Zeit oder bald eine Kinderbetreuung suchen oder in den letzten 6 Jahren gesucht haben. Ihre Zeit ist gut investiert, denn ich werde anhand der Studie klare Empfehlungen an die Politik sowie Jugendämter und andere relevante Stellen abgeben. Je mehr Eltern teilnehmen, desto eher finden wir Gehör.

 

Sie finden den Link zum Fragebogen und weitere Informationen unter www.transparente-kita.de.

 

Familie Müller danke ich sehr für die großartige Unterstützung!

Max Dohna